Sorgenvolle Mutter. Foto: Zachary Kadolph

Die sorgenvolle Mutter: Wo ist bloß meine Leichtigkeit?

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Vorweg: Meine erste Schwangerschaft war im Gegensatz zu der von Anna (siehe Artikel) ein Traum. Bomben-Eisenwerte, idealer Blutdruck, keine Rückenschmerzen, kein Ziehen, kein Erbrechen, wenig Gewichtszunahme (erst im letzten Monat habe ich rasant zugenommen), keine Wassereinlagerungen und herrje, nichts sonstiges, was man leider noch so bekommen kann.

Trotzdem kann ich in einem zustimmen: Bedenken, Sorgen und ja, auch Ängste. Ich würde von mir behaupten, dass ich, bevor ich Mutter wurde, ein relativ angstfreier Mensch war. Auch mir sind Dinge ungeheuer, die ich nicht kenne oder selten sehe beziehungsweise erlebe und die ganz einfach neu für mich sind. Und auch ich mache mir Gedanken, die unnötig sind, wie sich dann oft in Nachhinein herausstellt. Dennoch konnte ich mich allem immer stellen. Mit Respekt, aber ohne Angst. Insgesamt konnte ich mein Leben bis dato glücklicherweise immer als relativ angst- und sorgenfrei, vor allem als leicht beschreiben.

Doch dann: Sorgen über Sorgen

In meiner ersten Schwangerschaft habe ich mich dann das erste Mal mit dem ungemütlichen Gefühl der Sorge beschäftigen müssen. Von „Ist dies oder jenes normal?“ und „Jede dritte Frau verliert ihr Baby in den ersten drei Monaten. Das kann auch mir passieren.“ über „Sollte ich die erste Pränatal-Vorsorge wirklich nicht machen?“ und „Ist das Geburtshaus tatsächlich ein guter Ort oder ist es leichtsinnig dort zu gebären?“ bis hin zu „Was ist, wenn ich nicht Stillen kann? Werde ich das Baby, wenn es erst einmal auf der Welt ist, und das muss ja auch erst noch gelingen, gut versorgen können?“ und natürlich: „Kann ich damit umgehen, wenn das Baby ernsthaft krank ist?“.

Mein rationales Ich wusste, dass diese Gedanken unberechtigt sind. Natürlich werde ich mein Bestes geben und den Rest kann ich ohnehin nicht beeinflussen. Aber diese ständigen Entscheidungen, die ich nun nicht mehr nur für mich, sondern in erste Linie für ein anderes Individuum, meinem Baby, treffen musste, haben mich stimmungstechnisch ordentlich heruntergezogen.

Eigene Intuition statt andere Meinungen

Ich würde rückblickend sagen, dass ich zu allem ein Gefühl hatte, mich aber die vielen anderen Meinungen ins Wanken gebracht haben. Wieso fühlen sich viele Menschen – übrigens einschließlich mir selbst, obwohl ich mittlerweile hart dagegen arbeite – dazu aufgefordert ihre Meinung kundzutun? Als ich mich für die Entbindung im Geburtshaus entschied, musste ich mir sehr viele Meinungen anhören. Zumeist übrigens von Männern, die mir mitteilten, dass sie das ihren Frauen (teilweise wollten ihre Frauen auch im Geburtshaus entbinden) nicht erlaubten oder erlaubt hätten. „Und wenn ich dann an die Entbindung zurückdenke, war das auch gut so. Im Geburtshaus hätte meine Frau das nicht überlebt.“ war übrigens die Krönung aller Aussagen. Auch mein Frauenarzt hatte eine klare Meinung dazu und konnte diese „Leichtsinnigkeit in der heutigen Zeit“ nicht verstehen. Ja, wahrscheinlich muss man sich ein hartes Fell aneignen, wenn man solche, heute immer noch „unnormale“ (weil ungewöhnliche) Entscheidungen trifft. Aber auch das ist ein Prozess. 

Die Geburt hat übrigens zum großen Teil zu Hause stattgefunden. Nur für die letzten entscheidenden 20 Minuten waren wir im Geburtshaus um dort unseren kerngesunden und munteren Sohn in die Arme schließen und auf der Welt Willkommen heißen zu dürfen. Wir blieben noch weitere drei Stunden. Für finale Untersuchungen, um Anzustoßen, Kuchen zu essen und Geburtstag zu feiern. Wir haben gesungen, gute Wünsche ausgesprochen und sind dann mit unserem neuen Familienzuwachs nach Hause gefahren um uns dort ins Wochenbett zu kuscheln. Es hätte auch anders kommen können, ist es aber nicht. Und ich bin wahnsinnig froh über diese Entscheidung und die schöne Geburt.

Das Sorgen-Machen hörte nicht auf

So wurde unser Sohn einige Tage nach der Geburt, wie übrigens viele andere Winterkinder, gelb. Er hatte eine leichte Gelbsucht und die mussten wir im Auge behalten.

Mit dem Stillen hat es auch nicht auf Anhieb geklappt und auch das war reine Kopfsache. Meine Mutter konnte mich nicht Stillen und ich hörte so viele Horror-Stories anderer Mütter, dass ich einfach wahnsinnige Angst hatte, dass es mir ähnlich ergehen würde. Und zack, natürlich tat es das. Manches muss man sich erst lang genug einreden, damit es eintrifft. Eine Stillberatung hat geholfen. Ich glaube die Stillberaterin hat nicht mehr gemacht, als mir Mut zuzusprechen und an mich glauben zu lassen. Und es hat geholfen.

Als unser Sohn vier Monate alt war, bekam er Hautprobleme. Diagnose: Neurodermitis. Er war nicht sterbenskrank. Es hat ihn nicht einmal groß gejuckt. Im wahrsten Sinne des (Sprich-)Wortes. Es sah schlimm aus und musste eben regelmäßig gut behandelt werden. Mich hat es aber beunruhigt. Und so schlich sich eine bisher zum Glück unbegründete Sorge nach der nächsten in mein Leben und mir fehlte meine Leichtigkeit.

Viele dieser negativen Gedanken endeten übrigens in Milchstaus, die höllisch wehtun können.

Fazit

Ich schreibe darüber, weil ich glaube mit dieser oder ähnlicher Wesensveränderung – von Frau ohne Kind(er) zur Mutter – nicht alleine zu stehen und Mut machen möchte. 

Ich wünschte, ich hätte von Beginn an verstanden, diese und andere Veränderungen zuzulassen und anzunehmen. Gelegentlich zu hinterfragen, mein rationales Ich mitspielen zu lassen, aber nicht dagegen angekämpft! Die Hormone sind in diesem Fall eh der Spielführer. Und sie sind nicht dafür da mich fertig zu machen, sondern mir zu helfen mich in der neuen Rolle einzufinden. Das ist rein biologisch eine ziemlich coole Sache.

Mein Sohn ist mittlerweile zwei Jahre alt und ein Geschwisterchen macht sich bald, hoffentlich wieder im Geburtshaus, auf den Weg. Ich würde von mir sagen, dass ich mich weiterhin im nie ganz endenden Prozess befinde. Ich fühle mich aber Dank des Bewusstseins und der Akzeptanz dessen schon um einiges leichter (trotz erneuter, viel schwierigerer Schwangerschaft).

So hüpfe ich manchmal mit meinem Sohn, wie ich es mir bevor ich Mutter wurde, vorstellte, leichtsinnig in Pfützen herum und klettere auf Gerüste. Und ein anderes Mal kommen die Sorgen doch auf und ich höre mich sagen: „Nicht in die Pfütze springen! Du hast keine Gummistiefel an. Nicht das du krank wirst.“

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