Warum ich dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) beigetreten bin

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Ich fahre Fahrrad, seitdem ich es kann. Ich weiß noch, wie mein Großvater es mir beibrachte. Anfangs hielt er den Gepäckträger fest und rannte nebenher. Irgendwann ließ er los und ich kam erst ins schleudern, als ich es bemerkt habe. So schlug ich mir die Knie auf und weiß noch, wie ich von den kleinen Steinchen entsetzt war, die in meiner Haut steckten. Aber ich konnte radeln, was für ein Erfolg! Nun hoffe ich, dass der ADFC hilft, das Fahrrad-Erlebnis für meine Kinder ähnlich angenehm zu gestalten.

Warum überhaupt Fahrradfahren?

Da ich in Kassel aufgewachsen bin, war Fahrradfahren für mich lange mit Bergen verbunden. Runter war es immer toll, rauf ganz schön anstrengend. Aber immer schon habe ich das radeln mit Freiheit verbunden. Man muss auf keine Straßenbahn und keinen Bus warten, man kann das Tempo selbst bestimmen (bis zu einer gewissen Geschwindigkeit jedenfalls), die Wartungs- und Reparaturkosten sind überschaubar und mit Satteltaschen und Rucksack kriegt man auch einiges transportiert. Abgesehen von diesen Faktoren ist Fahrradfahren auch viel besser für die Umwelt als ein eigener PKW oder ein Moped. Sicherlich, wenn es richtig kalt ist, kann es unangenehm sein (ein langer Mantel und Handschuhe helfen!) und wenn es vereist ist, lasse ich das Rad auch lieber im Hof stehen. Auch für weitere Strecken ist es nicht immer das Mittel der Wahl. 

Ich lege in meinem Alltag fast alle Strecken mit dem Fahrrad zurück. Berlin ist ja auch herrlich flach und die vorhandenen Steigungen können eine Kasselerin nicht aus dem Konzept bringen.

Fahrradfahren in Brandenburg. Hier gab es immerhin einen Radweg – wenn auch direkt neben der Autobahn.

Berliner Autoverkehr vs. Fahrradfahren

Aber ich wollte euch ja sagen, warum ich in den ADFC eingetreten bin, und gar kein allgemeines Loblied auf Fahrräder anstimmen. Wobei das ja zusammenhängt. Ich lege einfach viele Kilometer auf dem guten alten Drahtesel zurück. Dabei komme ich nicht umhin zu merken, dass Berlin (wie die meisten anderen deutschen Städte) nicht auf FahrradfahrerInnen ausgelegt ist, sondern auf die Menschen, die Kraftfahrzeuge lenken. Es ist oft nicht genug Platz, um allen Parteien gerecht zu werden. Da die Autos stärker sind, nehmen sie somit diese Plätze komplett ein. Wie oft wird man superknapp überholt, wie oft sind diese Überholmanöver total waghalsig – und dann trifft man das Auto an der nächsten Ampel wieder. AutofahrerInnen haben sich abgewöhnt, hinter Fahrrädern zu bleiben. Dazu werden die Autos auch immer fetter, größer, breiter, das nimmt den anderen VerkehrsteilnehmerInnen zunehmend Platz. Theoretisch müsste ich zu parkenden Autos am Straßenrand 1,5 Meter Abstand halten, falls etwa eine Tür unachtsam aufgerissen wird. Wenn ich das mache, hupen die Autos hinter mir wie wild und ich werde als Verkehrshindernis wahrgenommen. Zusätzlich ist parken auf den ohnehin eher spärlich gesäten Radwegen eher ein Kavaliersdelikt als wirklich geächtet und auch in Fahrradstraßen wird munter gerast und wildgeparkt. Als meine große Tochter anfing, alleine zur Schule und zurück zu radeln, war ich jeden Tag heilfroh, wenn sie gesund und munter wieder zuhause angekommen ist. Ehrlich gesagt geht es mir bis heute so. Der (Berliner) Verkehr ist eine Art Kampf.

Der ADFC kämpft für eine bessere Infrastruktur für Fahrräder

Wie gut, dass es Institutionen gibt, die diesen Kampf angenommen haben und sich für die Rechte der RadlerInnen einsetzen und stetig daran arbeiten, die Gesamt-Situation zu verbessern. So zum Beispiel der ADFC, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club. Meines Wissens nach ist er der größte, deutsche Fahrradclub. Er hält zum Beispiel Mahnwachen, wenn wieder einmal jemand auf einem Fahrrad ums Leben gekommen ist (Stichwort abbiegende LKWs), initiiert Fahrrad-Demos für mehr Sichtbarkeit, setzt sich parteilich unabhängig für die Rechte von FahrradfahrerInnen ein und bietet darüber hinaus auch eine Menge Informationen rund um Fahrradtouren, Radeln im Alltag und haben eine eigene Pannenhilfe. Wer Mitglied im ADFC ist, bekommt auch das Radwelt-Magazin zugestellt, in dem es – Überraschung – rund ums Fahrradfahren geht. Ich finde es immer ganz spannend, da es auch viel zum aktuelle politische Debatten rund um das Thema geht. Die Seiten rund um Fahrrad-Equipment überblättere ich eher, ich halte es sehr einfach was mein Rad angeht.

Getränkekauf geht mit einem Lastenfahrrad super. Das hier hatte ich mir seinerzeit von Freunden geliehen.

Ich bin leztes Jahr aus einer Art Übersprungshandlung in den ADFC eingetreten. Es war so ein Tag, an dem ich von einem verunglückten Radfahrer las und selber auf meinen Wegen ein paar so brenzlige, unangenehme Situationen erlebt habe. Ich möchte mit meiner Mitgliedschaft sagen: Fahrradlobby, tu etwas! Ich finde es gut, wenn ihr euch für mehr und breitere Radwege einsetzt, für mehr Stellflächen, für mehr Fahrradstraßen, für mehr Anreize, das Auto stehen zu lassen und das Fahrrad zu nutzen.

PS – Ja, natürlich benehmen sich einige RadfahrerInnen im Straßenverkehr total daneben, keine Frage. Mir geht es aber um die Rechte der RadfahrerInnen und ich empfinde es als Whataboutism zu sagen „Ja, aber die RadfahrerInnen…“. Ich bin absolut dafür, dass sich alle anständig verhalten, egal wie sie unterwegs sind. Ein Depp bleibt ein Depp. Diese Deppen sind aber sowas von kein Grund, nicht mehr Recht für FahrradfahrerInnen zu fordern und durchzusetzen.

Mehr Infos bekommt ihr direkt beim ADFC.

Dieser Artikel ist nicht im Rahmen einer Kooperation entstanden, sondern aus Liebe zum Fahrradfahren und in Hoffnung auf eine verbesserten Infrastruktur.

Kategorien Engagement
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Mom of 2, irgendwo zwischen Festival und Ökomarkt zu finden. Eiscremesüchtig. Meistens gut gelaunt, manchmal aber auch sehr wütend und voller Weltschmerz - und wer sein Chaos beherrscht, ist ja ein Genie, stimmt’s?

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