Urlaubsplanung – wie geht nachhaltiges Reisen?

Nachhaltiges Reisen – auf den ersten Blick gar nicht so einfach. Dabei bin ich bin so gerne unterwegs und sehe gerne andere Länder, ich habe Freunde, die in anderen Ländern leben und sehe einfach gerne etwas mehr von der Welt als nur Berlin, Brandenburg und Co. Dabei ist grade Brandenburg auch superspannend… aber dazu ein anderes mal. Letzte Woche war ich zu Gast in Kate Kaputtos Nachhaltigkeit-Sendung „5 vor 12“ auf FluxFM und wir haben über nachhaltiges Reisen gesprochen. Hier geht es direkt zum Beitrag. Weil da nicht alles gesagt werden konnte (Wieso durfte ich nicht einfach 60 Minuten labern? Haha.), kommt hier noch mal eine ausgedehnte Zusammenfassung zum Thema.

Früher bin ich einfach ins Flugzeug gestiegen und habe mir ein paar gute Tage irgendwo gemacht. Nachhaltiges Reisen geht anders als drei Tage Barcelona, zwei Tage London, eine Woche Lissabon. Extrem war ich da nie, das geht noch ganz anders. Dennoch sah mein CO2-Konto dadurch ganz schön mies aus. Seit ich das in mein Bewusstsein gelassen habe, buche ich solche Kurztrips nicht mehr. Ich will aber trotzdem hin und wieder raus hier. Die gute Nachricht: Das geht!

Die Reiseziele

Ich suche mir meine Reiseziele seit einer Weile nach Erreichbarkeit ohne Flugzeug aus. Da ich lange Autofahrten nicht nur lästig finde, sondern auch ökologisch nicht sinnvoll, schaue ich vor allem nach Zielen, die mit dem Zug gut zu erreichen sind. Es gibt einige Websites, die dabei helfen. Auf bahn.de lassen sich viele Routen anzeigen, darüber hinaus finde ich thetrainline.com sehr hilfreich. Die zeigen auch Routen mit dem Fernbus an (dauert noch länger, ist aber günstiger und hat sogar eine noch bessere Klimabilanz als Züge!). Ich habe außerdem grade diese spannende Nachtzug-Karte gefunden, die weltweit alle Nachtzug-Strecken aufzeigt. Hello, Fernweh!

Innerdeutsch kommt Fliegen sowieso nicht in Frage. Ich verstehe nicht, warum das nicht verboten wird. Außerhalb Deutschlands war ich mit dem Zug in letzter Zeit in Florenz, London und Amsterdam. Lässt sich von Berlin aus alles gut erreichen. Den Artikel über die Nachtzugfahrt nach Florenz findet ihr hier. London und Amsterdam muss ich noch verschriftlichen und verweise bis dahin auf meine Insta-Story dazu.

Die Buchung

Die Buchung ist leider noch die Schwachstelle. Es gibt keine Seite (oder ich habe sie noch nicht gefunden), auf der alle Züge angezeigt und gebucht werden können. Es macht immer Sinn, sich die einzelnen Abschnitte auf den jeweiligen Bahn-Seiten anzuschauen. Italien zum Beispiel habe ich über bahn.de und oebb.at gebucht, keiner der Anbieter hätte mir den jeweils anderen Abschnitt verkauft. Im Reisezentrum kann man da wohl mehr Glück haben, das habe ich bisher nicht ausprobiert. Es gibt auch Reisebüros, die extra auf Zugreisen spezialisiert sind, so zum Beispiel Kopfbahnhof in Schöneberg, das mir schon mehrfach empfohlen wurde. Bisher habe ich mich immer selbst durchgewurschtelt – muss aber sagen, dass mich die abstürzenden Buchungssysteme und unklaren Informationen teilweise nah an den Rand der Flugbuchung geführt haben. Nächstes Mal versuche ich es mit einem Reisebüro, glaube ich.

Die Reise selbst

Ich liebe diese langsame Art des Reisens. Es wird einem wieder klar, wie weit solche Strecken sind. Ich sehe, wie sich die Natur verändert, die an mir vorüber zieht und bekomme einen ganz klaren Bezug zu der Strecke, die ich zurücklege. Das ist beim Fliegen ganz anders. Da steige ich bei 10 Grad und Nieselregen ein und komme bei 25 Grad und Sonne wieder raus, nur zwei Stunden später. Ich denke, wenn wir die Fahrt als einen Teil der Reise und des Urlaubes anerkennen, ist das einfach eine wunderbare Sache. Sinnvoll ist auf jeden Fall ein Rucksack oder ein Koffer, den ihr gut tragen könnt und der groß genug ist. Für die Fahrt an sich halte ich gute Bücher (falls ihr gerne lest), guten Proviant (ist verpackungsarm und man ist auf keine mittelmäßigen bis schlechten Bord-Lokale angewiesen),  ausreichend Getränke, Kartenspiele, oder was ihr eben sonst gerne macht, für sinnvoll. Vielleicht kann man auch einfach eine ganze Serie gucken, wenn man serienanfällig ist – die aber am besten vorher in den Offline-Modus laden. Auf Bahn-Wifi würde ich mich nicht verlassen, auch im Ausland nicht. Probiert es mal aus, lasst euch drauf ein, das kann sich lohnen.

Wenn man im Bord Bistro freundlich fragt, bekommt man übrigens auch eine Tasse aus Porzellan statt einen Einwegbecher.

Reisen mit Kind / Schwanger verreisen

Ich bin sowohl mit meiner Tochter schon viel Zug gefahren (auch Nachtzug und weite Strecken) als auch letztens im siebten Monat schwanger. Meine Bilanz: null Problemo. Grade schwanger fand ich es sehr angenehm, jederzeit auf Toilette zu können oder auch einfach mal aufzustehen. In ein enges Flugzeug hätte ich mich nicht mehr gesetzt. Für das Kind ist es wichtig, altersgerechte Beschäftigung einzuplanen, dann sehe ich hier auch kein Problem. Wie das mit Säugling klappt weiß ich noch nicht, aber bald ist ja einer da und dann kann ich berichten, hihi.

Verlässlichkeit der Bahn

Das alte Thema… Die Bahn ist ja NIE pünktlich, das KANN ja gar nicht klappen. Doch, es kann. Bei mir hat es bisher immer. Die meisten Züge sind pünktlich. Hier gibt es eine Aufstellung, am pünktlichsten sind Flugzeuge, dann kommen Züge und dann Busse. Eine Beobachtung von mir ist, dass Menschen an Flughäfen viel geduldiger warten, als an Bahnhöfen. Warum ist das so? Verstehe ich nicht. Aber Geduld ist tendenziell immer eine gute Sache. Ich kann nur raten, entsprechend zu planen. Am besten keinen Anschluss so planen, dass man nur fünf Minuten zum Umsteigen hat. Mit Gepäck oder kleinen Kindern (oder beidem!) ist das kaum zu schaffen. Vor allem mit Zugbindung und reservierten Plätzen sollte man es entspannter angehen. Die gewünschte Umstiegszeit kann man auf bahn.de eintragen. Grade wenn man zum Beispiel einen Nachtzug bekommen möchte, würde ich ordentlich Puffer einplanen. Geht es noch um die letzte Bummelbahn zum Endziel, ist es auch nicht so schlimm, wenn man sie mal verpasst. Aber natürlich – es gibt diese Horrortage bei der Bahn, erst ein Baum im Gleis und dann ein Stellwerksproblem, das ist dann ärgerlich und nervt, ebenso wie ein spontaner Flugstreik oder Insolvenz des Reiseveranstalters. Ein bisschen Risiko bleibt, aber wer das nicht erträgt bleibt wohl am besten Zuhause. Wobei, passieren da nicht die meisten Unfälle… 😉

Kosten

Natürlich muss das Ganze bezahlbar bleiben. Ich kann jedem, der auch nur zwei oder dreimal im Jahr mit der Bahn fährt, eine BahnCard ans Herz legen, die lohnen sich so schnell. Wenn man sie dann noch mit Sparpreisen kombiniert, geht es wirklich. Bahnfahren im Ausland ist sehr unterschiedlich teuer. Während es in Polen zum Beispiel geht, ist Großbritannien ziemlich teuer. Oft hilft es, nicht allzu kurzfristig zu buchen, um gute Preise zu bekommen, genau wie beim Fliegen. Reisebüros haben hier auch oft Ideen und Kontingente, die wir online nicht finden. Meine bisherigen Europareisen mit Zug waren jeweils etwas teurer, als im gleichen Zeitraum zu fliegen. Aber nie absurd viel teurer. Hier sieht man eben auch, dass Fliegen einfach zu günstig ist. Es ist gar nicht unbedingt die Bahn teuer. Außerdem: Besser einmal länger wegfahren, als zwei- oder dreimal kürzer. So lassen sich super Kosten sparen und man schaltet auch viel besser ab. Probiert’s mal aus, echt.

Die Unterkunft

Oh, schwieriges Thema für mich. Unterkünfte, grade in großen Städten, sind oft gar nicht nachhaltig. Airbnb steht immer wieder in der Kritik, weil so viel Wohnraum genutzt wird um teure Ferienwohnungen darin zu unterhalten. Hotels agieren selten sehr nachhaltig und ausgewiesene Bio-Hotels passen meistens nicht zu meinem Geldbeutel. Ich freue mich immer, wenn ich privat unterkommen kann: Bei Freunden, bei Freunden von Freunden, Familie etc. Couchsurfing kann auch eine super Alternative sein, wäre mir mit der ganzen Familie aber nichts. In ländlicheren Bereichen findet sich viel besser Ferien-Wohnraum, der ökologisch und sozial auch fair ist. Meine finale Lösung hierfür habe ich noch nicht gefunden und halte es mal so und mal so.

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