Green Guide to Kassel

Ich lebe bereits seit 11 Jahren in Berlin, bin aber nach wie vor sehr verbunden mit meiner Heimatstadt. Und das, obwohl ich aus Kassel komme. Oder doch eher weil ich aus Kassel komme? Eine auf den ersten Blick relativ unspektakuläre Stadt. Alle fünf Jahre kommt ein wenig Glanz und Glamour vorbei – dann ist documenta, immerhin die weltweit wichtigste Ausstellung über moderne Kunst. Kassel hat aber bei näherer Betrachtung noch einiges mehr zu bieten. Neben meiner Familie und einigen Freunden gibt es in Kassel nämlich eine Menge Parks und Grünanlagen. Und mittlerweile auch einige Anlaufstellen für nachhaltigeren Konsum.

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Meine BFF Sophia war letztens so nett, mich einen Tag lang durch Kassel zu begleiten. Wir waren auf der Suche nach einem nachhaltigen Kassel. Dieser Guide erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sondern zeigt euch ein paar Anhaltspunkte für diese auf den zweiten Blick sehr liebenswerte Großstadt in Nordhessen. Alphabetisch, weil mir die Reihenfolge ansonsten so schwer gefallen wäre.

Biomarkt Greger

Seit 1999 gibt es den Biomarkt Greger in der Kasseler Wilhelmshöhe. Meine Mutter war vom ersten Tag an Kundin und somit ist der Laden für mich auch nicht wegzudenken. Herr Greger legt großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern – für ein Scherzchen ist immer Zeit. Für Fleischesser besonders bemerkenswert: Ein beachtlicher Anteil des verkauften Fleisches kommt aus der hauseigenen Schlachterei, fast alles weitere Fleisch kommt von lokalen Bauern, dessen Höfe er kennt. Ich kann nur sehr schwer vorbeigehen, ohne mir vorne beim Bäcker eine Käsestange zu kaufen. Hier findet ihr weitere Informationen zum Biomarkt.

bommel

bommel kenne ich nicht von früher, aber seit ein paar Jahren gibt es den Laden für Kindermode nun schon im Vorderen Westen. Bei bommel werden Unikate und Kleinserien für Kinder zwischen null und 10 Jahren entworfen und produziert. Die farbenfrohen Stoffe sind alle entweder gebraucht oder aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle. Neben wirklich pfiffigen Klamotten werden auch Nähkurse für Erwachsene und Kinder angeboten. Die aktuellen Termine erfährt man im Laden oder auf der Website.

Fingerz

Das Fingerz gibt es schon Ewigkeiten und seit ein paar Jahren kann man dort total gut Eco Fashion einkaufen. Ein nicht geringer Teil meiner Klamotten stammt aus diesem Laden. Aus dem vermeintlichen Shopping-Paradies Berlin nach Kassel um im Fingerz zu schauen was es so Neues gibt: meine Realität. Es gibt hier nicht nur faire Mode, aber zu großen Anteilen. Von Armed Angels über People Tree und Knowledge Cotton Apparell bis zu kleinen, neuen Marken, die noch unbekannter sind. Mit gefällt das stetig wechselnde Sortiment und wie gut die Inhaberin und ihre Crew immer über die einzelnen Brands Bescheid wissen. Like!

Kontaktladen

Ein ganz herrlicher Ort in Kassel-Wilhelmshöhe ist der Kontaktladen. Hier kann man Spenden abgeben und diese werden dann zu unschlagbar günstigen Preisen verkauft. Man findet hier Klamotten, Spiele, Bücher, Geschirr, Krimskrams, Gardinen, Bettbezüge, Koffer und vieles, vieles mehr. Das Geld, das der Laden am Ende einnimmt, wird an verschiedene Organisationen gespendet. Genaue Infos dazu gibt es direkt im Laden oder auf der Website. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 100.200,- Euro eingenommen und an die Welthungerhilfe, den Weltfriedensdienst, die Kindernothilfe, die Christoffel-Blinden-Mission, das Kinderhospital Bethlehem und an die Kasseler Tafel weitergegeben. Gute Sache, das.

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Markthalle

Der wohl wichtigste Ort für mich ist die Markthalle. So tolle Markthallen es auch in Berlin geben mag, an der Kasseler hänge ich ganz besonders. Hier sind einige Bauern vertreten, die ich schon seit meiner frühesten Kindheit kenne. Und was für tolles Obst und Gemüse es da gibt. Keine Angst vor krummen Gurken oder schiefen Zucchinis, hier kommt die ganze Ernte in den Verkauf. Auch gibt es eine charmante Pizzeria, Käsestände, Oliven, frische Pasta, Wein, Tee, Fleisch, Fisch, Kräuter, Gewürze und wonach man sich sonst noch sehnen mag. Donnerstags zwischen 7 und 13 Uhr und Samstags zwischen 7 und 14 Uhr sind alle Stände in der Halle geöffnet und zusätzlich die Bauern auf der Freifläche. Ein Muss für jeden, der gern Gutes isst!
Mehr Infos findet ihr auf der Website.

Reformhaus Ludwig

Das Reformhaus Ludwig hat ein großes Angebot an losen Lebensmitteln. Hier wird schon seit einigen Jahrzehnten das gemacht, was grade als „Unverpackter Supermarkt“ in vielen Städten eröffnet und gefeiert wird. Hier kann man also seine eigenen Behälter mitbringen und sich Nüsse, Reis, Müsli und Co abfüllen. Insbesondere beim Studentenfutter werde ich immer schwach, ich schleppe es in rauen Mengen nach Berlin. So gutes habe ich in der Hauptstadt noch nicht gefunden. Im Zuge dieses Artikels war ich erstmals auf der Website – und siehe da, es gibt sogar einen Webshop!

Rokkeberg

Mein Vater sagte zum Rokkeberg: „Nun haben wir auch ein bisschen Berlin hier in Kassel“ und es wird schnell klar, was er meint. Nicht grade eine alteingesessene Kasseler Wirtschaft mit seinen Flohmarktmöbeln und Hipster-Accessoires. Ein bisschen Hipstertum kann dieser Stadt aber echt nicht schaden! Hier bekommt man ab 10 Uhr Frühstück für jeden Geschmack, auch an Vegetarier und Veganer wurde bei der Gestaltung der Karte gedacht. Schön finde ich, dass für alle Heißgetränke nur frische demeter-Milch verwendet wird und kein Metro H-Milch-Quatsch. Auch die selbstgemachten Limonaden und Säfte sind zu empfehlen. Im Hinterraum des Ladens gibt es eine kleine Klamotten-Ecke wo Upcycling-Kleidung von Kasseler Designern erhältlich ist. Soki Kassel hat es mir besonders angetan. Das Rokkeberg hat Montags bis Samstags von 10-19 Uhr und Sonntags von 10-18 Uhr offen. Auf der Website findet ihr weitere Infos.

Spiel & Klang

Ein Paradies für Waldorf-Mütter wie mich! Im Spiel & Klang (zugegeben, der Name könnte etwas schmissiger sein) gibt es Holzspielzeug, Musikinstrumente, Puppen, Werkzeug für Kinder und einiges mehr. Ich habe mir zum Beispiel ein Springseil gekauft, Springseilspringen macht nämlich glücklich. Es wird darauf geachtet, dass alle verkauften Produkte aus natürlichen und ökologisch vertretbaren Materialen bestehen. Auch werden die Herstellungsbedingungen auf Fairness und Regionalität überprüft, das meiste wird in Deutschland und Europa hergestellt. In Sachen Verpackung wird auf möglichst sparsame und kunststofffreie Lösungen gebaut. Wem der Weg nach Kassel zu weit ist und trotzdem mal reinschauen mag, der besuche den Webshop.

Wild Wood Gallery & Store

Kassel hat durch die Kunst-Uni immer viele junge Künstler und Designer zu bieten. Im Wild Wood Gallery & Store bekommt man eine Menge Kunstdrucke, Shirts und andere Erzeugnisse von Kasseler Künstlern, zum Beispiel von der von mir sehr geschätzten Hot Cheese Crew. Um keine Vernissage mehr zu verpassen, lohnt sich das Folgen der Facebook-Seite.

Da habt ihr doch schon mal eine ganze Menge zum auschecken! Welche Orte sollte ich unbedingt bei meinem nächsten Kasselbesuch noch ansteuern? Ich freu mich über Tipps, denn alles habe ich bestimmt nicht gewusst oder gefunden.

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Comments

3 Responses to “Green Guide to Kassel”
  1. Hans sagt:

    Welcome to Jamaica and have a nice day

  2. Katja sagt:

    Cooler Tipp mit dem Rokkeberg 🙂 Da Göttingen ja icht so weit ab von Kassel ist, kann man da auch mal gut zum Frühstück hin!

    LG, Katja

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