Freitagskind: Alisa

Alisas große Schwäche sind Tiere: Wenn sie könnte, würde sie am liebsten eine eigene kleine Arche eröffnen und 24/7 Tiere pflegen und aufpäppeln. So passt es, dass sie zwei Tierheim-Katzen aufgenommen hat und sich zuhause alles nur um „die Maue“ dreht. Die bekommen sogar besseres Futter als Alisa selbst. Für sie gibt es gerne Reste von gestern oder YumYum-Suppe, die Katzen bekommen aber alles nur mit Bio-Zertifikat. „Tier-Tourette“ diagnostizierte eine Freundin – kein vorbei gehender Hund bleibt ungestreichelt.

alisa_ehlert

In Berlin in der Agentur-, Mode- und Kunstszene verankert, aber mit einem großen Bedürfnis nach kompromissloser Ruhe und  zufriedener Unabhängigkeit, schwankt sie zwischen Stöckelschuh und Schweinestall; WLAN und Waldspaziergang; Galerie und Gnadenhof. So ist Alisa in einem gewissen Zwiespalt: Stadt oder Land? Die Stadt ist so rastlos, reizüberflutet und darstellungsgetrieben, das Land ruhig, ursprünglich und selbstgenügend. Sobald sie aber ein paar Wochen auf dem Biobauernhof gearbeitet hat, geht ihr das Großstadtleben ab und sie dürstet nach kulturellen Angeboten und zwischenmenschlichen Erlebnissen im urbanen Dschungel.

Ich finde es gut, dass sie sich derzeit für „Stadt“ entschieden hat. Und dafür, tolle Videoprojekte zu machen, in denen mit Klischees aufgeräumt wird, die sich amüsant mit YouTube-Kommentaren auseinandersetzen oder sich vor der letzten Bundestagswahl nicht mit Wahlkampf, sondern mit persönlichen Ansichten zu gesellschaftlichen Themen beschäftigen. Wir sind schon ganz gespannt, was als nächstes kommt…

Was macht Dir am meisten Spaß in Deinem Job?
Das Feedback und die Interaktion mit den verschiedensten Menschen, mit denen ich durch die Interviews in Kontakt komme. Egal, was ich tue macht es mich am zufriedensten, wenn ich etwas einbringen kann, was anderen Freude macht, sie bestenfalls zum Nachdenken bringt und irgendwie berührt. In meinem aktuellen Job als Redakteurin des Videonetzwerkes Hyperbole.de tut es mir gut mit Formaten, wie zum Beispiel „Frag ein Klischee“, mein eigenes kleines Stückchen dazu beizutragen, dass Menschen ihre Vorurteile bestimmten Gruppen gegenüber überdenken und sich neuen Perspektiven öffnen.

Wein oder Bier?
Immer Wein, weiß. Ich komme von der hessischen Bergstraße und habe eine Vorliebe für guten Riesling. Da kann ich nichts für, das gehört da so.

Alisa mit Huhnalisa_sitzt

Festival oder Lagerfeuerabend?
Meinem Alter und der Stadt Berlin mit ihrem verruchten Nachtleben geschuldet würde ich heute sagen Lagerfeuer. Festivals hatte ich genug, die Fusion war meine jährliche Mini-Auszeit vom Arbeitsleben und irgendwann war es auch nichts Besonderes mehr – in Berlin ist jedes Wochenende Festival. Meine Kater sind auch nicht mehr die kleinen süßen Kätzchen, die sie mal mit 20 waren, mittlerweile bin ich nach einer Festivalnacht zwei Tage außer Gefecht gesetzt. Mein Gesicht und meine Laune möchte ich dann auch niemandem mehr zumuten. Gerade also lieber gemütliches Lagerfeuerlicht, schöne Musik und gute Gespräche mit interessanten Menschen – das gibt mir zur Zeit mehr als durchtanzte Nächte.

Um deiner Gesundheit nicht zu viel Gutes zu tun….
Bin ich ich. Maßlos, exzessiv und oft einfach auch ungeschickt. Egal, ob ich mir vor dem Club den Ellbogen splittere, in 40h ohne Schlaf ein Konzept fertig schreibe oder meine, für einen Fotoshoot zwei Wochen fasten zu müssen – mein Körper hat(te) es nicht leicht mit mir. Ein wenig auf mich und meine Ressourcen aufzupassen steht auf jeden Fall ganz groß auf der Agenda, die ich mir für den Zeitpunkt vorgenommen habe, wenn ich mal erwachsen und vernünftig geworden bin. Also so ca. 2050.

Deine fünf Lieblings-URLs (außer Green Friday)
Youtube.com/hyperboleTV natürlich!
Sonst:
www.facebook.com – FOMO! Und mein persönlicher Nachrichten-Stream, ich mag es, mitzubekommen, was die Menschen um mich herum gerade beschäftigt und es ist ein bequemes Werkzeug, um am Ball zu bleiben. Wichtig für den Job und so…
www.thesartorialist.com – bisschen Masochismus muss sein. Schönere Menschen als ich, mit einem besseren Stil, als ich ihn je haben werde, in schöneren Klamotten, als ich sie mir je leisten kann.
wtfevolution.tumblr.com – absurde Tiere im trockenen Dialog mit der Evolution erklärt. Sehr amüsant.
www.cuteoverload.com – awwwww. Der Name sagt alles. Schnäuzchen und Pfötchen und Realitätsflucht deluxe.
www.unhappyhipsters.com – interiour porn kombiniert mit sarkastischen Untertiteln. Erdet in den Momenten, in denen man überlegt, altersbedingt von String auf String-Regal umzusteigen.

Zeit für ein Katzenfoto:
Coco und Cajus

Welche aktuelle Entwicklung regt dich so richtig auf?
Sobald ich Zeitung lese oder die Nachrichten einschalte bin ich oft wie gelähmt, von allem, was in der Welt passiert und menschgemacht, aber so unmenschlich ist. Bei vielem fühle ich mich komplett ohnmächtig, gerade was internationale Dramen angeht. In meinem eigenen Lebensumfeld könnte ich mich täglich über den so genannten „Alltagssexismus“ aufregen. Wobei an dem nicht nur die Männer schuld sind, jede sollte immer genau hinschauen und überlegen, ob sie nicht doch einfach aus Gewohnheit ungünstige Muster weiter reproduziert. Auch ich habe mich schon erwischt, wie ich den Konferenztisch abräumen wollte, an dem ich mit 6 Männern saß – obwohl ich der Agentur mit meinem Konzept gerade ein Budget von 800.000€ reingeholt hatte.

Ich bin sehr gerne Frau, so richtig mit Kleidchen, hohen Schuhen und Lippenstift, aber sehe es nicht ein, dass ich deswegen weniger Anspruch auf die Welt habe. Ich bin intelligent, ich habe studiert, ich kann viel. Und trotzdem habe ich oft weniger verdient als männliche Kollegen, fühle ich mich oft eingeschränkt in meiner persönlichen Entwicklung und unsicher auf den Straßen. Von GHB in London bis zu einem Überfall inkl. Küssen und Angrapschen gerade in Kreuzberg war alles dabei und ich frage mich langsam, wie lange es noch dauert, bis es Männern klar wird, dass wir genau das gleiche Recht auf körperliche Unversehrtheit und den öffentlichen Raum haben wie sie. Und nein – ein „Geiler Arsch, willst Du ficken?“ im Vorrübergehen zugezischt ist kein Kompliment, sondern ein Armutszeugnis. Mein Arsch geht Dich einen Scheißdreck an, egal wie kurz der Rock ist, in dem er steckt.

Und gibt es auch eine, über die du dich freust?
Ich freue mich über die sozialen Medien und die politische Kraft die ihnen innewohnt. Ich habe das Gefühl, dass sich Facebook zunehmend von einer reinen Selbstdarstellungsplattform und einem gegenseitigen Bestätigungstool des eigenen sozialen Kapitals zu einem Kanal wandelt, der politische Interessen und Anliegen interessenbedingt vorsortiert, bündelt und ihnen so wieder persönliche Relevanz verschafft. Ich bin leider der unpolitischste Mensch, den ich kenne, aber komme so doch regelmäßig mit Anliegen in Kontakt, die mich zum Nachdenken bewegen. Da ich befürchte, dass es noch weitere Millionen Politikverdrossene wie mich gibt, ist das immerhin ein kleiner Schritt in eine richtige Richtung. Politik ist nicht mehr nur nerdy und unsexy, sondern wird durch die Aufsplitterung in viele kleine Probleme und Petitionen wieder zu etwas, an dem man direkt teilhaben kann – so war das ja auch irgendwann mal gedacht mit dieser Demokratie.

Hast du wegen irgendwas ein schlechtes Gewissen?
Eigentlich habe ich ständig ein schlechtes Gewissen, einfach schon prophylaktisch. Ich bin wahnsinnig vergesslich und brüskiere nicht selten Freunde und Bekannte indem ich einfach ihre Namen verwechsle oder sie zum 10. Mal zu ihrem Job beglückwünsche, den sie schon seit einem halben Jahr nicht mehr haben. Abgesehen davon bin ich leider wahnsinnig inkonsequent. Ich unterstütze das Tierheim Berlin, liebe aber meine alte Pelzjacke vom Flohmarkt, fange an zu heulen, wenn ich Videos über Massentierhaltung sehe, fülle aber den beiden Mauen jeden Tag zwei Mal Fleisch ins Schälchen und esse blutiges Steak, wann immer man mich in ein gutes Restaurant einlädt. Ich bin ein williger Durchschnittsbürger. Ehrlich gesagt, bin ich manchmal kurz davor, angesichts der Unausweichlichkeit von inkorrektem Verhalten, die unser Lebensstil in sich birgt, in einen „Bringt doch eh nichts, ich scheiß auf alles“- Modus zu verfallen, aber ich versuche, wenigstens im Kleinen immer wieder Sachen richtig zu machen. Ob es ein Stück Pizza für eine Obdachlose ist, die Papier- statt der Plastiktüte im Supermarkt oder eben der kleine Kater, der jetzt hier auf meinem Schoß rumschnurrt, anstatt eingeschläfert zu werden. Auch jetzt habe ich übrigens wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich hier in diesem Blog präsent bin, ohne wenigstens Vegetarierin zu sein. Ich arbeite dran!

Brauchst du nicht, liebe Alisa. Als ich mit Green Friday angefangen habe, war ich auch gerade keine 😉

Alisa mit Pony

Deine drei Lieblings-Orte in der Stadt?
Mein Zuhause mit Mann und Mauen in Kreuzberg, der Friedhof mit diesen wunderschön morbide eingestürzten Gräbern und wilden Füchsen am Südstern und die U1, die immer so einen lebendigen, bunten Querschnitt der Berliner bereithält. Mit schöner Aussicht und meistens Soundtrack noch dazu.

Deine drei Lieblings-Orte auf dem Land?
Der Waldpfad zwischen Alsbacher und Auerbacher Schloss, unter dem ich aufgewachsen bin und auf dem ich früher immer laufen war. Der riecht fantastisch und federt so weich unter den Füßen. Casas Novas da Palmeira – der Bauernhof von Berliner Freunden, die mit 24 einfach ausgestiegen und den Traum vom selbstbestimmten Landleben wahrgemacht haben. Mittlerweile ist aus 6 Hektar Dorngestrüpp ein Erholungsparadies mit Haus, Kindern, Pferden, Katzen, Hunden, Schweinen und Hühnern geworden, in das ich und viele andere Urlaubsgäste regelmäßig zurückkehren um aufzutanken und mitzuarbeiten. Tiere, Strand und Gemüse aus dem Garten machen mich immer wieder glücklich und bringen mich zum Nachdenken, ob das Leben hier in Berlin und Medienwelt mich wirklich nachhaltig glücklich macht. Und als Drittes eigentlich jeder Ort, der grün ist, weitläufig und mich atmen lässt.

Das tollste Kompliment, das dir je gemacht wurde…
ist dass die Welt und alles in ihr drin bisher so oft so gut ist zu mir. Das heißt, ich habe anscheinend irgendwas richtig gemacht und bestärkt mich darin, dass es sich lohnt freundlich, offen und warmherzig auf alles, was einem im Leben so begegnet zuzugehen und das zu teilen, was man hat. Egal ob Weißwein oder Weltschmerz.

Danke, Alisa <3

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One Response to “Freitagskind: Alisa”
  1. E. sagt:

    Absoluter PR-Profi. Verkauft sich perfekt.

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