Der Impact unserer Konsumentscheidungen

Das Thema „Es gibt kein Richtiges im Falschen“ begleitet mich schon seit meinen ersten politischen Gehversuchen mit der Jugendantifa vor etwa 20 Jahren (wow, klingt das alt…). Ich habe diesen Spruch noch nie gemocht. Er wird meines Erachtens nach oft dafür genutzt, jegliche Verantwortung von sich selbst wegzuschieben. Dennoch finde ich darin durchaus einen wahren Kern. Ich lade euch, lieber Leser*innen von Green Friday hiermit ein, das Thema mit mir mal gemeinsam anzusehen.

Nachhaltiger Leben – geht das überhaupt?

Es gibt so viele Themen, in denen Konsument*innen dazu aufgerufen werden, nachhaltiger zu agieren. Wir sollen Fahrrad statt Auto fahren, bio einkaufen, nicht mehr so viel streamen und überhaupt Internet nutzen, Ökostrom haben, in kleinen und gut gedämmten Wohnungen leben, mit Mehrweggefäßen einkaufen, Klamotten und Möbel nur Second Hand kaufen, kein Fleisch essen, auch keinen Käse essen und so weiter… das klingt so anstrengend, und teilweise fällt es ganz schön schwer. Wo soll man denn da außerdem anfangen?

Überhaupt anfangen ist gut

Das Thema Nachhaltigkeit kann einen echt erschlagen! Aber jede Überlegung und jeder Schritt sind erst mal toll. Wenn immer mehr Menschen ihr (Konsum-)Verhalten reflektieren und kleine Dinge ändern, bewirkt das zumindest im Kleinen schon mal was. Sicherlich erschlagen einen all die verschiedenen Themen manchmal. Und ist es nun Doppelmoral, wenn ich zwar Vegetarierin werde, aber ein Fast Fashion-Teil gekauft habe, obwohl ich es doch besser weiß? Wenn ich zwar auf Flugreisen verzichte, aber manchmal noch Auto fahre? Nein! Das ist einfach nur menschlich. Es hat niemand was davon, wenn wenige Menschen „alles perfekt“ machen. Es ist total legitim, an den Punkten zu beginnen, die einem selbst leichter fallen. Für die einen ist die Abschaffung des Autos gar nicht so eine große Sache, für die anderen ist es kein Problem, ein Handy zu benutzen, bis es auseinander fällt. Es empfiehlt sich, weder zu sich selbst noch zu seinen Mitmenschen zu hart sein.

Wissen ist Macht!

Der nächste Schritt ist der Ausbau von Wissen. Zu verstehen, wie die Dinge zusammenhängen. Und auch zu verstehen, welche Aktionen überhaupt was für einen Impact haben. Wie viele Ressourcen verschwenden denn Einweg-Kaffeebecher überhaupt? Wie viel Co2 stößt ein Flugzeug von Berlin nach Mailand aus, und wie ist das Verhältnis zu einer Autofahrt? Und wie umweltschädlich sind eigentlich Streams und Google-Suchen? Schnell wird man merken: Es gibt die richtig großen Themen, wo Veränderung einen klareren Unterschied macht, als an anderen Stellen. Leider, könnte man sagen. Tomaten ohne Verpackung kaufen ist eine super Sache, keine Flugreisen mehr anzutreten, hat aber einen deutlich höheren Impact. Das heißt weder, dass man Tomaten doch besser in Plastik eingeschweißt kauft, noch dass man nie, nie wieder fliegen darf – die Verhältnismäßigkeiten zu kennen ist dennoch sinnvoll. Einen guten Anhaltspunkt kann hierbei zum Beispiel der Co2-Rechner vom Umweltbundesamt bieten.

Die Politik ist gefragt

Vielleicht noch wichtiger, als etwa die eigene Entscheidung für oder gegen Hafermilch ist es, das ganze Thema politisch zu sehen. Der Klimawandel ist real und wenn wir uns ansehen, wie unbeherzt unsere Politiker*innen sich dem Thema Umweltpolitik annehmen, könnte einem wahrlich schlecht werden. Lasst uns die Entscheidungsträger*innen dieses Landes in die Verantwortung nehmen! Wir können durch Wahlen entscheiden, wer mehr oder weniger zu sagen hat – und es gibt darüber hinaus so viele weitere Stellen, an denen wir uns engagieren können und lauter fordern können. Cosima hat dazu bereits einige tolle Anhaltspunkte zusammengeschrieben.

Ob es aktive Vereins- oder Parteiarbeit ist, oder erst mal das Unterschreiben von Petitionen. Ob es die Teilnahme an Klimastreiks und Fahrraddemos ist, oder der Mailwechsel mit Bezirksabgeordneten zu spezifischen Themen: All das sendet klare Signale.

Hier setzt auch der eingangs besagte Spruch „Es gibt kein Richtiges im Falschen“ an: Solange wir im Kapitalismus leben, müssen Unternehmen nach Wachstum streben, um am profitabel zu sein. Das geht allerdings total an den Bedürfnissen der Menschen (und Tiere und Pflanzen) vorbei. Man muss nicht lange nachdenken um zu verstehen, dass nicht alle Unternehmen immer weiter wachsen können. Und auch, wenn somit die Aussage über das Richtige im Falschen im Kern stimmt, bin ich absolut überzeugt, dass auch unsere kleinen Handlungen einen Impact haben. Wenn wir nämlich zunehmend weniger Fleisch konsumieren, weniger Fast Fashion, weniger Autos gekauft werden und mehr Fahrräder, wird sich danach auch die Wirtschaft daran orientieren. Damit ist dann nicht plötzlich alles gut. Aber eben doch ein Stückchen besser. Das ist der Grund, warum ich der Aussage nie ganz zustimme. Mutter Erde ist es am Ende egal, ob die Emission kapitalistischer Natur war oder nicht, die Emission hat etwas zerstört. Wenn keine Emission entsteht, ist das immer besser.

Dazu kommt, dass ein Widerstand aus der Bevölkerung wichtig ist, um etwas zu verändern. Dieser Widerstand darf durchaus auch beim Einkaufen beginnen. Gut wäre eben, wenn er da nicht aufhört.

Nachhaltigkeit als Hobby von Reichen

Immer wieder geht es um das Thema: Das kann sich doch kaum jemand leisten… in den Biomarkt gehen und all das. Das stimmt, viele nachhaltige Lösungen sehen erst mal teuer aus. Auch hier ist wieder die Politik gefragt. Mit dem Flieger von Berlin nach München darf nicht so günstig – oder noch besser, gar nicht mehr erlaubt sein. Wer nun aber kein Geld hat und von Berlin nach München muss, soll bitte den erschwinglichsten Weg wählen, und das ohne schlechtes Gewissen. Es gibt einige Ideen, wie günstig auch viele nachhaltige Ansätze sind. Lebensmittelabfälle zu reduzieren zum Beispiel schont auch den Geldbeutel, weniger Dinge neu zu kaufen ebenfalls. Auch Ökostrom ist nicht unbedingt teurer. Weitergehend bleibt der Fakt, dass Menschen, je reicher sie sind, einen umso größeren ökologischen Fußabdruck haben. Denn die ganze Zeit vermeintlich grünen Kram shoppen und durch die Weltgeschichte jetten, aber überall Hafer-Latte statt Kaffee mit Kuhmilch zu trinken ist – Überraschung – überhaupt nicht nachhaltig.

Fazit

Konsumentscheidungen einzelner Menschen haben natürlich keinen großen Impact, sind aber gute Anfänge. Damit es wirklich etwas verändert, hier ein paar Tipps:

Sich selbst nicht mit Einzelentscheidungen zu sehr aufhalten oder gar fertig machen, wenn etwas nicht so gut geklappt hat

Wissen aneignen: Was hat überhaupt welchen Impact

Da anfangen, wo es einem selbst leicht fällt

Laut werden und die eigene Stimme nutzen – auf Demos, in Petitionen, bei Wahlen…

Andere mitreißen!

Das Beitragsbild ist von der wunderbaren Katinka Schütt!

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