Der Spargel: Das deutscheste aller Gemüse

Da ist er wieder: Der Spargel. Das deutscheste aller Gemüse. Und wohl auch das am heißesten diskutierte. Es gibt da nämlich einiges, worüber man rund um Spargel diskutieren kann: Der Geschmack, der Geruch vom Urin nach dem Verzehr, der Anbau inklusive Ernte, die Nährstoffe und – verrückt – auch die Politik um das weiße Gewächs.

Spargel – der Geschmack

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Die Einen lieben das „weiße Gold“, andere verstehen den Hype um dieses Gemüse überhaupt nicht. Ich mag Spargel, sogar meine Töchter mögen ihn… durchaus starke Kauf-Argumente. Grüner und weißer Spargel unterscheiden sich durchaus im Geschmack. Dieser Artikel soll sich vorrangig um die weiße Variante drehen.

Spargelpipi – eine Geruchsfrage

Bei den meisten Menschen riecht der Urin nach dem Verzehr von Spargel…. sagen wir mal… gewöhnungsbedürftig. Das liegt nur daran, dass im Spargel die Schwefel-Verbindung Asparagusinsäure vorkommt und diese bei der Verstoffwechselung diesen Geruch annimmt. Das ist total ungefährlich und macht überhaupt nichts. Das mag lediglich die Person, die nach der Spargel-pinkelnden Person auf Toilette geht, anders sehen. Lustig ist, dass a) nicht alle diesen Geruch produzieren und b) nicht alle ihn riechen können. Also wer bei sich selbst nichts riecht, weiß noch nicht abschließend, ob der Geruch auch wirklich nicht vorhanden ist. Mehr Spargel-Urin-Wissen findet ihr hier.

Der Anbau und die Ernte

Erst mal was Positives: Deutschland deckt immerhin 80-86% (je nach Quelle) seines Spargelbedarfs selbst. Es ist also ein ziemlich regionales Gemüse und auch eines der wenigen, die wirklich nur zur Saison zu haben sind. So weit, so gut. Das begehrte Gemüse ist total aufwändig anzubauen. Erst im dritten Anbaujahr kann mit der Ernte begonnen werden – das muss also von echt langer Hand geplant werden. Und nach 10 Jahren ist dann schon wieder Schluss, auf dieser Fläche wird dann erst mal kein weiterer Spargel mehr gedeihen. Außerdem schraubt die Verrücktheit der Deutschen nach Spargel die Nachfrage so hoch, dass die Spargelbäuer*innen versuchen, möglichst lange ein gutes Angebot zu haben. Daher wird ganz viel unter Folie angebaut. So ist der Spargel schneller bereit für die Ernte und die Spitzen verfärben sich nicht lila, das wird hierzulande nämlich nicht gerne gesehen. Leider verbleibt ganz schön viel von der Folie auf den Feldern und die Folien, die eingesammelt wurden, landen auch im Müll. Da kommt ganz schön was zusammen. Zusätzlich werden auch beim Spargel-Anbau jede Menge Pestizide eingesetzt. Wie meistens, ist auch hier der Griff zur Bio-Variante besser, da hierbei weniger Pestizide eingesetzt werden dürfen. Folien werden dort allerdings genauso eingesetzt. Mehr zum Thema Spargelanbau findet ihr zum Beispiel beim NABU.

Geerntet wird Spargel übrigens nach wie vor ausschließlich von Hand. Das ist mühsam und mit ein Grund für den hohen Preis. Darauf gehe ich im Absatz zur Politik noch mal genauer ein.

Nährstoffbombe Spargel – oder nicht?

Spargel ist sehr kalorienarm und besteht zu 93% aus Wasser. Dennoch enthält er auch das blutdrucksenkende Kalium und reichlich Kalzium, das gut für unsere Nägel und Knochen ist. Außerdem ist noch Phosphor enthalten, das die Aufnahme der Inhaltsstoffe für den Körper erleichtert und der hohe Stickstoffgehalt regt die Nierentätigkeit an. Wer zu Gicht oder Nierensteinen neigt, sollte besser die Finger von dem Gemüse lassen. Mehr zu den Nährstoffen findet ihr hier.

Spargel ist politisch!

Spätestens seit den Diskussionen, die im letzten Frühjahr rund um das Gemüse entbrannt sind, wissen viele, wie politisch es ist. Die Erntehelfer*innen, die für die Spargelernte eingesetzt werden, kommen nämlich in Scharen und zwar meist nicht aus Deutschland, sondern aus osteuropäischen Ländern. Der Job der Spargelernte ist echt hart und die Arbeiter*innen bekommen einen meist unterirdischen Lohn und leben in Container gepfercht in prekären Verhältnissen. Die Bäuerinnen und Bauern sagen, dass sie keine Deutschen finden, die den Knochenjob (der zudem ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl erfordert) machen möchten und greifen daher auf die Osteuropäer*innen zurück. So kam es im letzten Jahr dazu, dass die Politik aufgefordert wurde (und dem auch nachgegeben hat), die Erntehelfer*innen doch trotz der Pandemie und dem ersten Lockdown einreisen zu lassen. Durch die Pandemie sind auch die Unterbringung- und Transportmöglichkeiten für die Arbeitgeber*innen teurer geworden, da sie weniger Menschen zusammenstecken dürfen. Immerhin wird über dieses Thema jetzt gesprochen! Ob sich für die Arbeiter*innen bald etwas zum Positiven ändert? Ich würde es mir sehr wünschen und dann bestimmt auch ein paarmal öfter zugreifen.

Und nun?

Ich finde es erstmal wichtig, das alles zu wissen. Wie immer ist es dann die Gratwanderung zwischen eigener Konsequenzen und dem Appell an die Politik, etwas an den bestehenden Verhältnissen zu ändern. Über unsere Macht als Konsument*innen habe ich kürzlich hier geschrieben.

Die Erntehelfer*innen-Problematik gilt übrigens und gemeinerweise auch für Erdbeeren und andere saisonale Obstsorten…

Artikelbild: Waldemar Brandt auf Unsplash.

Kategorien Food Friday
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Mom of 2, irgendwo zwischen Festival und Ökomarkt zu finden. Eiscremesüchtig. Meistens gut gelaunt, manchmal aber auch sehr wütend und voller Weltschmerz - und wer sein Chaos beherrscht, ist ja ein Genie, stimmt’s?

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