Loveco – neuer Eco Fashion Store in Friedrichshain

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Wer in den letzten 2 Jahren mal bei dem Eco Fashion Store Deargoods im Berliner Prenzlberg ein veganes Shirt oder eine Organic Jeans erstanden hat, hat Christina vielleicht schon kennen gelernt.  Dort war sie nämlich die letzten zwei Jahre Store Managerin. Nun ist es für sie Zeit für was Eigenes: Loveco. Ein Laden für faire Mode in Friedrichshain, der diese Woche eröffnet. Wir haben mit der gelernten Textil-Kulturwissenschaftlerin über Leder in nachhaltiger Mode, Selbstständigkeit und Gebietsschutz von Modemarken gesprochen.

Wie lange hat es gedauert von dem ersten Gedanken „Ich will was eigenes machen“ zu „Nächste Woche ist Eröffnung“ ?

Ein Jahr. Neben meinen Ersparnissen nutze ich auch einen Kredit, den ich bei der GLS Bank aufgenommen habe, das hat auch alles etwas länger gedauert. Die größte Herausforderung war einen Laden zu finden. Ich wollte ursprünglich nach Kreuzberg in den Bergmannkiez, aber da sind schon einige Labels, die ich verkaufen möchte vertreten. Und deshalb haben die da Gebietsschutz.

Wie weit geht so ein Gebietsschutz?

Unterschiedlich, ein Label hat z.B. 500 Meter Gebietsschutz, andere definieren es „pro Stadtteil“.

Das ist ja streng. Dabei sind Bergmannkiez und Schlesisches Tor in einigen Regionen ja 2 Städte. Wie viele Labels nimmst Du jetzt rein?

Ich fange mit 15 an. Gerade läuft noch mein Crowdfunding, mit dem da zusammen kommenden Geld möchte ich das Sortiment zügig erweitern.

Was ist designtechnisch der rote Faden bei Loveco?
Streetwearlastig, aber auch kleine Labels, die High Fashion Design machen. Nicht zu extra vagant, aber ich möchte mehr in meinem Laden anbieten als printed shirts.  Zum Beispiel Simon Ese – ein tolles Upcycling Label mit tollen Schnitten und einem super Konzept.

Du hast ja eh ein Hang zu Design-Themen.
Ich habe Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Textil studiert. Nach einem Abstecher bei Greenpeace und ihrer Detox-Kampagne bin ich nach Berlin gezogen und habe angefangen bei Deargoods zu arbeiten.

 

Du warst jetzt 2 Jahre extrem nah an den Kunden – was hat sich da verändert die letzten 2 Jahre im Bereich nachhaltige Mode?

Generell wächst das Thema. Deargoods hat extem streetwearlastig eingekauft, deswegen war das Publikum eher jung. Aber ich hatte auch eine Stammkundin, die war über 70, das war auch total schön. Ich hab das Gefühl insgesamt wird das Publikum jünger. Ich hatte auch 16 jährige Mädels im Laden, die ganz aktiv sagen: „wir haben in der Schule darüber gesprochen und wir wollen was anders machen“. Die kamen dann mit ihren Eltern und wurden zum 16. Geburtstag einmal eingekleidet. Früher gab es nur hessnatur und wer  das Gefühl hatte, ich finde da nichts, der hatte Pech. Junge Leute kann man über den Stil ansprechen. Es kommen auch vermehrt Leute, die einfach nur etwas im Schaufenster gesehen haben, das sie schön finden.

Ist dein Shop komplett vegan?

Ja. Ich bin keine Veganerin. Ich bin Vegetarierin und habe einen Hang zum Veganismus, ziehe das nicht komplett durch. Aber ich sehe einfach keinen Sinn an Leder Patches. Bei Wolle fehlt mir auch in der Eco Fashion Branche noch an Transparenz, woher die Wolle kommt. Wer über Nachhaltigkeit nachdenkt, landet irgendwann bei Tierschutz und Emissionen durch Tierhaltung. Da versteh ich die Eco Fashion Szene teilweise einfach nicht. Nudie Jeans ist eins der geilsten Labels, aber haben auch Leder Batches an jeder Hose.

Bei Bleed haben die ja so auf Kork Patches umgestellt, das finde ich ziemlich cool.

Ja, die machen das seit Beginn echt gut und total innovativ, auch in ihren Materialien. Kuyichi hat sich auch total lange dagegen gewehrt auf Leder zu verzichten. Nächstes Frühjahr sollen erstmal auch komplett vegane Modelle kommen. Monkey Geenes haben zum Beispiel komplett vegane Hosen, da sind die Patches aus Papiermaterialien.

Komisch, dass die Labels so an ihren Lederpatches hängen.

Jeder Vegetarier hat ja grundsätzlich Interesse an lederfreien Produkten. Man muss das Tier ja töten, damit man das Leder bekommt, das ist ja kein Ei. Unabhängig davon, ob Plastikschuhe und Plastiktaschen jetzt nachhaltiger sind. Klar, die Leder-Diskussion ist sehr komplex. Ich trag auch meine alten Ledersachen. Mein Zwiespalt ist  natürlich auch da. Wenn ich statt Leder etwas aus Plastik kaufe, was nur ein Jahr hält, ist das auch nicht ökologisch, wenn es da kein smartes Recyclingverfahren gibt. Aber gerade bei Applikationen ist es ja leicht das gegen Kork oder ähnliches auszutauschen.

Das ist auch so schwer gegeneinander aufzurechnen. Was hat meine wahrscheinlich chromgegerbte Lederjacke, die ich tatsächlich seit 14 Jahren trage für einen Umwelteinfluss? Was haben die guten Redwing Lederschuhe, die viele Jahre halten für einen Ressourcenverbrauch? Was haben Plastikschuhe für Umweltwirkungen? Da vergleicht man auch irgendwie Äpfel mit Birnen, oder?

Ja. Labels wie Matt & Nat geben auch nicht genau preis, woraus ihre Materialien bestehen, weil sie Angst vor Nachmachern haben. Die Materialien sind sehr stabil, die halten mit Lederprodukten mit, aber das bedeutet auch, dass der Verbraucher  nicht alle Informationen hat. Eigentlich müsste man mal in einem langjährigen Forschungsprojekt die Produkte beobachten. Wie schnell verrottet chromgegerbtes Leder, wie schnell eine Matt & Nat Tasche. Da müssen dann kompetente Chemiker und Forscher ran. Zu dem Thema hab ich noch keine ganz fixe Meinung. Aber ersteinmal wird mein Shop vegan.

Was hast Du noch so vor?

Wir machen 1x im Monat ein veganes Shopping Dinner Event. Eine gute Freundin kocht fantastisch vegan, da gibt es ein 3 Gänge Menü, möglichst regional und saisonal. Und vorher können die Leute nach den Öffnungszeiten einkaufen. Ich hab auch total Bock in meinem Laden öfter kleine Konzerte und ähnliches statt finden zu lassen. Aber da müssen natürlich auch die Nachbarn mitspielen (lacht).

Loveco – Sonntagsstraße 29 – Eröffnung 22.11.2014

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