Let’s talk about Ökostrom – mit Polarstern

Ich habe schon seit ein paar Jahren echten Ökostrom – was aber genau bedeutet das eigentlich? Im Laufe irgendeines Umzuges in den letzten Jahren (die Windungen meines Lebens haben mir den ein oder anderen Umzug beschert), bin ich mal auf Ökostrom umgestiegen. Ich hatte mich damals ein wenig belesen – es gibt „echten“ Ökostrom, aber auch Ökostrom von den großen Energie-Konzernen wie Vattenfall. Ökostrom bedeutet, dass der Strom weder aus fossilen Energiequellen wie Erdöl oder Braunkohle noch in Atomkraftwerken gewonnen wird. Windkraft, Wasserkraft oder auch Sonnen-Energie sind nicht erschöpflich und somit nachhaltiger. Außerdem ist die Erzeugung nicht mit so viel Dreck und Müll verbunden, schauen wir allein mal Richtung radioaktiver Abfälle, die niemand in seiner Nähe gelagert wissen will.

Seit einiger Zeit fällt mir Polarstern immer wieder ins Auge. Ein neuer Stern am Ökostrom-Himmel. Vor zwei Wochen war ich beim Heldenmarkt in Berlin und hatte hier die Möglichkeit, mich ein wenig mit Norman von Polarstern zu unterhalten.

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Ich habe im Anschluss mit Michael von Polarstern gesprochen und konnte ihm ein paar Fragen stellen. Here we go:

Erklär’ mir doch bitte mit ein paar knappen Worten, was der Unterschied zwischen „echtem“ und konventionellem Ökostrom ist!

Man kann das ganz gut mit Bio-Lebensmitteln vergleichen. Zuerst entscheidet man sich bewusst dafür – das ist schon mal nicht schlecht. Dann entdeckt man allmählich die Unterschiede: Dass es Angebote gibt, wo der Hersteller gerade so den Mindeststandard erfüllt, um sich das Bio-Etikett draufpappen zu können. Und andere, wo die Hersteller wirklich für eine gesunde Ernährung stehen. Das gleiche Prinzip gilt beim Ökostrom: Es gibt über 1.000 Ökostrom-Tarife in Deutschland. Die meisten davon sind Angebote von Energieversorgern, die ihr Geld vor allem mit Kohle- oder Atomstrom verdienen. Wenn du dort Ökostrom bestellst, unterstützt du aber wieder ihr Hauptgeschäft: fossile Energie. Genau davon wollte man ja aber weg. Deshalb lieber einen Anbieter wählen, der wirklich nur nachhaltig erzeugten Ökostrom anbietet und nicht mit der Kohle- oder Atomindustrie verbandelt ist. Zur Orientierung kann man sich Hilfe bei Verbraucher-Magazinen wie ÖKO-TEST holen. Auch Siegel wie Grüner Strom Label oder ok power sind ein Hinweis, wie ernst es dem Anbieter wirklich mit der Energiewende ist. Die Siegel bekommen nämlich nur Anbieter, die zusätzlich in neue Energiewende-Projekte investieren.

Und wie ist das beim Ökogas?

Beim Gas hinkt die Energiewende mindestens um 10 Jahre hinterher. Das macht sich auch beim Angebot bemerkbar. Manchmal ist da das Wörtchen öko ein Witz. Denn konventionelles Erdgas, das über den CO2-Zertifikate-Handel als klimaneutral gehandelt wird, darf sich leider auch Ökogas nennen; das Gleiche gilt für fossiles Erdgas, dem ein Mini-Anteil an Biogas beigemischt wird. Und dann gibt es noch Gas, das zwar einen 100%igen Biogasanteil hat, für das aber „Energiepflanzen“ wie Mais erst in riesigen Monokulturen angebaut werden, nur um sie wieder zu verfeuern – das kann nicht Sinn der Sache sein. Wir verstehen unter Ökogas Gas, das komplett aus organischen Reststoffen hergestellt wurde. Dafür muss nichts extra angepflanzt werden, sondern man nutzt einfach, was da ist: natürliche Abfälle. Die fallen sowieso an.

Wo liegt der Unterschied bei den verschiedenen echten Ökostrom-Anbietern? Arbeitet ihr alle vom Prinzip her zusammen, oder sind Lichtblick und Co. für euch Konkurrenz?

Wir sehen sie nicht als Konkurrenten. Denn mit anderen guten Ökostrom-Anbietern [wie EWS, Lichtblick, Greenpeace Energy oder Naturstrom] verbindet uns, dass wir die Energiewende wirklich schaffen wollen. Dazu braucht es nun mal einen dezentralen Energiemarkt mit mehreren ehrlichen Ökoenergie-Angeboten – und natürlich Menschen, die diese Angebote nachfragen. Da dem anderen reinzugrätschen, und aktiv Kunden abzuwerben, wäre total kontraproduktiv. Jeder sollte sich für das Angebot entscheiden, von dem sie oder er sich am meisten angesprochen fühlt. Wenn wir das sind, freuen wir uns natürlich umso mehr. Ein Unterschied bei uns ist, dass jeder mit seinem Wechsel zusätzlich und ohne Mehrkosten einer Familie in einem Entwicklungsland eine erneuerbare Energieversorgung ermöglicht.

Wie ist das preislich? Ist Ökostrom und Ökogas teurer als die konventionellen Alternativen?

Ökostrom hat leider immer noch einen teuren Ruf, dabei gibt es längst keine Preisunterschiede mehr zu konventionellem Strom. Wir machen die Erfahrung, dass Ökostrom als teuer wahrgenommen wird, weil seine Förderung mit der EEG-Umlage direkt im Strompreis ausgewiesen ist. Das ist auch Kalkül. Denn die Förderung von Atom- oder Kohlestrom ließe sich über den Strompreis kaum vermitteln. Da entsteht ein falsches Bild. Tatsächlich wurde Kohlestrom seit 1970 mit rund 250 Milliarden Euro vier mal so hoch gefördert wie Erneuerbare Energien. Allerdings nicht über den Strompreis, sondern über Steuern.

Erkennt ihr einen Anstieg bei Ökostrom-Nutzern, oder war das nur eine kurze Welle nach Fukushima? Das Thema ist aus den Medien ja leider wieder ziemlich verschwunden…

Insgesamt ist die Unterstützung für die Energiewende nach wie vor hoch. Zumindest im Geiste. Allerdings hapert’s oft bei der Umsetzung in den eigenen vier Wänden. Dabei ist der Wechsel schnell online abgehakt und bringt mehr, als vielen bewusst ist: Erstens schafft die Nachfrage mehr Angebot von sauberer Energie. Zweitens ist die Nachfrage auch ein Signal an die Politik, dass die Energiewende wirklich gewollt ist. In beiden Fällen helfen Privatpersonen wirklich mit, dass wir unabhängig von fossilen Energieträgern und Atomkraft werden. Ein zweites Fukushima, nur um einen Punkt zu machen, wäre das Schlimmste, was passieren könnte.

Danke, lieber Michael!

Wer mehr wissen möchte, surft einfach mal auf polarstern-energie.de vorbei!

Mir gefällt der Look von Polarstern sehr gut – ich kann mir vorstellen, dass die es schaffen, noch einige Leute abzuholen, die mit Naturstrom und Co nicht so viel anfangen können. Polarstern sieht einfach null nach Öko aus, weswegen die Vermutung des Greenwashings erst mal in meinen Kopf geschossen kam, als ich mit die Website ansah. Man merkt aber schnell: Da steckt viel mehr dahinter. Sauberer Strom, sauberes Gas, faire Preise. Natürlich soll es ohnehin um das gehen, was drin steht und nicht um das, wie es aussieht – aber ihr kennt das – am Ende sollte das Design einen auch irgendwie angesprochen haben.

Ob nun Polarstern oder ein anderer echter Ökostrom-Anbieter: Jeder Haushalt zählt. Der Wechsel geht ziemlich einfach, nur seinen Zählerstand sollte man ablesen können. Man braucht auch keine neuen Leitungen oder dergleichen, es wird einfach mehr Ökostrom ins Stromnetz gepumpt. Schön wäre es, wenn irgendwann gar keine fossile Energie mehr im Stromnetz wäre, sondern die Leitungen wirklich voll mit echtem Ökostrom wären.

Ohne mir anmaßen zu wollen, Expertin auf dem Gebiet zu sein, könnt ihr mich bei Rückfragen gerne ansprechen, wir klären das dann – oder ihr wendet euch einfach direkt an den Ökostromanbieter eurer Wahl. Die übernehmen alle den kompletten Wechsel für euch, das ist wirklich easy.

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