Konsequent inkonsequent: WOSTOK

Vor einer Weile tauchten die bunten Flaschen von WOSTOK in meinen Lieblings-Spätis und auch in einigen Lokalen auf. Zeit, sich mal mit der Brause auseinanderzusetzen. Die Website mutet sehr verspielt an und spielt mit russischer Tradition. Mit Russland verbinde ich an Getränken eigentlich nur Vodka, aber anscheinend haben die Russen auch limonadentechnisch was zu bieten. So ganz schlau bin ich aus den Website-Texten allerdings nicht geworden und habe mich mit Joris, dem Inhaber, zum Telefonieren verabredet.

Ich musste weder Englisch sprechen, noch hatte ich jemanden mit russischem Akzent am Apparat, sondern einen Niederländer. Ich liebe Deutsch mit Niederländischem Akzent. Aber was hat der Mann zu sagen? Was ist WOSTOK?

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Joris kommt aus den Niederlanden, ist als junger Erwachsener nach Russland gezogen und hat dort vorrangig als Werbefotograf gearbeitet. 19 Jahre lang. Die Wirtschaftskrise 2010 ließ seine Auftragslage schwierig werden und er hatte eine Menge Zeit für Unfug, wie er es bezeichnet. Er ist dann nach Berlin gezogen. Es war Zeit für etwas Neues und vielleicht würden hier ja mehr Aufträge reinkommen. Irgendwann saß er dann in einer Bar und hatte Lust auf eine Limo. Die, die er in Russland immer getrunken hat. Er fand nichts vergleichbares.

Also fing die Recherche an. In Fachgeschäften für russische Lebensmittel hat er zwar solche Limos gefunden, aber nicht die richtigen. Die haben alle nicht geschmeckt und kommen in 2l Plastikflaschen. Also begann er, sie selbst zu machen. Er hat sich mit den Machern des russischen Originals getroffen und getüftelt und getüftelt. Fast obsessiv wollte er genau diese Limo auch in Deutschland trinken.

Wobei da die Idee des eigenen Limo-Labels noch gar nicht in seinem Kopf war. Er hat das als kleines Kunstprojekt und eine spannende Herausforderung gesehen: Eine Charge russische Limo in Deutschland, sowjetisches Design, für Deutsche ungewohnter Geschmack. Ein eigenes Produkt mit eigener, kleiner Werbekampagne. Dieses Kunstprojekt ist dann aber völlig außer Kontrolle geraten und nun gibt es bereits sechs Geschmacksrichtungen von WOSTOK und ist in Deutschland und angrenzenden Ländern ziemlich flächendeckend verfügbar. Verrückt.

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WOSTOK hat die kritische Phase überlebt und etabliert sich langsam im Getränke-Sektor. Da hat Joris nicht nur eine eigene Sehnsucht gestillt, sondern offensichtlich die von ganz schön vielen Menschen. Davon leben kann er zwar noch nicht, aber er arbeitet dran, dass WOSTOK ihm irgendwann den Lebensunterhalt einbringt.

Drei Sorten von WOSTOK sind bio, die anderen drei nicht. Warum das so ist, kann Joris gar nicht so genau erklären, auch das ist irgendwie passiert. Er fing Nicht-Bio an. Die Inhaltsstoffe sind sowieso alle natürlich und es werden keine Konservierungsstoffe eingesetzt – für ihn stellte sich die Frage nicht, auch wegen der hohen Lizensierungskosten. Dann war er mit dem Chef der Bio Company im Gespräch und der fand WOSTOK total klasse. Aber nicht bio genug, um sie ins Sortiment zu nehmen. Kurzerhand hat Joris drei Bio-Geschmacksrichtungen entwickelt und auf den Markt gebracht. Die Bio Company hatte ihm versichert, die erste Charge komplett abzunehmen, so hatte er kein zu großes finanzielles Risiko. Mittlerweile gibt es die Bio-Sorten aber auch in vielen Spätis und anderen Bioläden. Die anderen drei Sorten nachträglich zu Bio-Produkten zu machen kommt nicht infrage, er steht auch so komplett hinter dem Produkt. Konsequent inkonsequent also. Produziert werden alle Sorten übrigens in einem niedersächsischen Familienbetrieb, das von Joris als sehr sympathisch und glaubwürdig befunden wurde. Die um Berlin rum haben ihm alle nicht ausreichend zugesagt.

Long story short: Probiert das Zeug mal aus. Die Geister scheiden sich ein wenig daran. Ich zum Beispiel stehe total auf Pflaume-Kardamom, kann aber Birne-Rosmarin gar nicht gut haben. Aprikose-Mandel liegt irgendwo dazwischen. Was sagt ihr dazu?

Zur Website, inklusive (natürlich unvollständigem) Händlerverzeichnis gelangt ihr hier.

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