Gedanken zum Earth Overshoot Day

Heute ist Earth Overshoot Day. Das bedeutet, dass wir Erdenbewohner so viel natürliche Ressourcen verbraucht haben, wie die Erde in einem Jahr regenerieren kann. Dabei ist doch erst August… Das wäre also so, als hätten wir all unser Geld für 2016 schon ausgegeben und würden vom Chef kein neues bekommen. Aber die Bank gibt uns, dank des Dispos, noch mehr Geld. Wir leben also mit Geld, das wir gar nicht haben. Und wenn wir immer so weiter machen, funktioniert das Ganze irgendwann nicht mehr und der Gerichtsvollzieher kommt und wir müssen womöglich ins Gefängnis.
So einfach ist das mit der Erde nicht. Was hier teilweise verbraucht und zerstört wird, kann durch keinen Gefängnisaufenthalt und auch nicht mit Geld wieder hergestellt werden. Das Global Footprint Network sagt, dass wir beim derzeitigen Verbrauch die Rohstoffe von 1,5 Erden brauchen. Tendenz steigend.

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Danke für das Foto, lieber Zack Minor.

Aber was bedeutet denn das genau? Das kann kein Wissenschaftler vorhersagen, das werden wir – oder unsere Kinder, Enkel, Urenkel… – wohl oder übel miterleben müssen, wenn sich die Erdbewohner nicht doch eines besseren belehren lassen. Grade in Amerika und Europa sind diese Probleme bekannt, dennoch haben diese Kontinente die größten ökologischen Fußabdrücke.

So lange wir, und zwar jeder Einzelne, nicht bereit sind, etwas zu ändern und zu verzichten wird sich der Earth Overshoot Day immer weiter nach vorne verlagern. Im Jahr 1986, da wurde ich geboren, lag der Tag noch in der Mitte vom Dezember. Im Jahr 2008 kam meine Tochter zur Welt und der Earth Overshoot Day lag im September. Mittlerweile sind wir schon im August. Mal sehen, wie es in dem Jahr aussieht, in dem ich vielleicht irgendwann mal Oma werde…
Und was passiert, wenn wir irgendwann zwei Erden brauchen? Oder drei? Wann macht die Erde denn entgültig schlapp? Oder werden wir irgendwie durchkommen? Was kommt danach? Ist die Episode „menschliches Leben“ dann einfach rum? So ähnlich, wie es damals mit den Dinosauriern gewesen sein muss? Hey – das weiß mit Sicherheit niemand. Und Unwissenheit macht mir immer ein bisschen Angst. Was kommt denn danach? Werde ich das miterleben? Oder mein Kind?

Die Konsequenz kann sein, sich selbst zu beobachten und kritisch zu hinterfragen. Muss ich echt mit dem Flieger nach Köln oder kann ich auf die Bahn zurückgreifen? Muss es wirklich schon wieder ein Paar neue Sneaker geben oder gehen die anderen nicht noch eine Weile? Brauche ich echt eine neue Jacke oder kann ich nicht eine aus dem Second Hand Laden nehmen? Was esse ich heute – weitgereistes, gespritztes und in Plastik verpacktes Essen oder gehe ich beim Wochenmarkt vorbei und esse Brandenburger Rübchen? Putze ich mein Bad mit Chemie oder nehme ich drei Euro mehr in die Hand und nehme abbaubare Reinigungsmittel (naja, wobei meine Badputzerei nun wirklich nicht ins Gewicht fällt…). Muss ich jeden Tag 20 Minuten lang duschen? Undsoweiter.

Ich für meinen Teil versuche, mir diese und viele weitere Fragen zu stellen – aber dabei den Spaß auch nicht ganz zu vergessen. Denn das ganz perfekte Leben ist wohl gar nicht realisierbar – aber es kann sich irgendwie die Waage halten. Meinen bevorstehenden Urlaub lasse ich übrigens über atmosfair ausgleichen.

2 Kommentare zu “Gedanken zum Earth Overshoot Day

  1. Den Blick auf das Thema Ressourcenverbrauch zu lenken und sich Fragen zu stellen, ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Ein schöner Beitrag, der hoffentlich viele Menschen in diese Richtung bewegt. LIebe Grüße, Ulf

    • Hej Ulf,
      ich denke auch – jeder kann bei sich anfangen. Grade in den Bereichen, in denen es einem leichter fällt kann man einige Schrauben entsprechend stellen.
      Liebe Grüße
      Anna

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