Film-Empfehlung: Astrid

Ich L I E B E es, ins Kino zu gehen. Leider schaffe ich das viel zu selten. Im Dezember hat es sich an einem schönen Abend ganz spontan so ergeben. Ich habe eine Freundin in Köln besucht und ihr Bezirk wurde wegen einem Weltkriegsbombenfund vorübergehend evakuiert. Wir waren also für einige Stunden ohne Obdach und sind durch die Gegend gestreift. Käffchen hier, Schaufenster gucken dort. Irgendwann kamen wir am Kino vorbei und haben uns kurzerhand für einen Besuch dort entschieden. Der Film Astrid hat uns gereizt, auch wenn wir beide kaum etwas darüber gehört hatten.

Was für eine gute Idee!

Ich habe als Kind und Jugendliche eine Menge Bücher von Astrid Lindgren gelesen. Vielleicht sogar alle? Ich habe mir selbst vor der Einschulung das Lesen beigebracht, um Bullerbü noch mal lesen zu können – meine Eltern wollten es nicht direkt noch einmal vorlesen. Einige der Bücher habe ich in den letzten Jahren gemeinsam mit meiner Tochter noch einmal gelesen. Bullerbü natürlich auch. Die Geschichten der schwedischen Autorin haben mich oft besonders fasziniert und mein Herz auf eine spezielle Art und Weise angesprochen. Wer wollte als Kind nicht gerne in Bullerbü leben? Oder mit Karlsson durch die Gegend ziehen? Oder mit Ronja und Birk durch den Wald streifen? Auch wenn in vielen Büchern eine gewisse Trauer steckt, sind sie sehr beliebt. Vielleicht auch genau deswegen. Denn auch als Kind ist man ja nicht immerzu glücklich und in bester Gesellschaft. Es gibt gemeine, andere Kinder. Manchmal ist man auch selber gemein. Und Erwachsene können einem wirklich alles vermiesen – oder auch zur Seite stehen. All diese Dinge thematisierte Astrid in ihren Geschichten wie kaum eine zweite. Sie gab mir immer das Gefühl, mich zu verstehen.

Mit dem Leben von Astrid Lindgren hatte ich mich nie weiter beschäftigt, muss ich gestehen. Nachdem ich den Film gesehen habe, habe ich einiges recherchiert. Der Film scheint sehr nah an der wahren Geschichte zu sein. Nur ein paar Details wurden zeitlich etwas verschoben oder, im Falle von unbekannten Szenen, realistische Szenen dafür gefunden.

Ich habe viel geweint während des Films, es ist kein klassischer Feelgood-Movie. Dennoch bin ich mit einem ganz tollen Gefühl wieder aus dem Kinosaal herausgekommen. Meine Freundin musste übrigens nicht weinen, ich bin bei Filmen extrem nah am Wasser gebaut. Mir war vorher nicht klar, was für eine unglaublich starke Person Astrid war. Und was für eine Feministin, zu Zeiten, in denen das weitaus schwieriger war als heute – die 1940er Jahre auf dem schwedischen Land und eine streng gläubige Familie haben wenig Raum zur freien Entfaltung gegeben.

Schnappt euch eure Freundinnen und Freunde und auf ins Kino, so lange der Film noch läuft. Oder wartet, bis er sich streamen lässt. Ich möchte hiermit ausdrücklich auch Männer aufrufen, sich den Film über die junge Astrid anzuschauen. In dem Kinosaal, in dem meine Freundin und ich waren, war ohne Untertreibung wirklich nur ein Mann anwesend. Auf, auf mit euch!

Hier gibt’s den Trailer:

Die Bilder habe ich von der dcm-Website. Da gibt es auch weitere Infos.

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