Fashion Revolution Week 2021

Seit dem ungeheuerlichen Vorfall in Rana Plaza im Jahr 2013 gibt es die Fashion Revolution Week. Sie soll ein Bewusstsein für das Thema der Ausbeutung in der Mode schaffen. Leider ist es auch 2021 immer noch so, dass für die Erstellung von Mode reihenweise Menschen und die Natur in Mitleidenschaft gezogen werden. Für die, für die das Thema neu ist: Was in Rana Plaza genauer passiert ist, habe ich hier schon mal niedergeschrieben.

Der Zauber, der in der Mode steckt – und die Entzauberung

Mode ist wirklich vertrackt. Es gibt so tolle Klamotten, man kann mit verschiedenen Outfits so viel aussagen und Statements setzen. Man kann sich in Kleidung verstecken, oder etwas gezielt betonen. In manchen Teilen findet man sich unwiderstehlich und in anderen traut man sich kaum raus. Mode ist immer günstiger und Shirts für 4-5 Euro sind total normal geworden. Die Unternehmen hauen eine Kollektion nach der anderen raus. Die Super-Fast-Fashion-Unternehmen arbeiten nicht mal mehr mit klassischen Kollektionen. Da kommt jede Woche neuer Stuff in den Onlineshop. Jeder wage vermutete Trend wird aufgegriffen, damit man bloß als erstes liefern kann. Denn das wollen ganz viele Leute – ständig neue Klamotten. Instagram und Co befeuern das Ganze: Die Follower wollen doch nicht immer wieder dasselbe Outfit sehen, da muss was neues her.

Rohstoffe und ihre Schwierigkeiten

Die Probleme der Modewelt beginnen bereits bei den Rohstoffen. Baumwolle, auch Bio-Baumwolle, ist der am meisten verbreitete Rohstoff für unsere Mode und braucht Unmengen von Wasser, um zu wachsen. Zusätzlich werden, vor allem im konventionellen Anbau, jede Menge chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die die Böden langfristig zerstören und die Arbeiter*innen mit den teilweise giftigen Chemikalien in Berührung kommen. Polyester und Co sind reine Kunstfasern und bestehen aus Plastik. Die Herstellung läuft äußerst giftig ab und bei jedem Waschvorgang lösen sich kleine Mikroplastik-Partikel, die in den Weltmeeren landen werden. Das passiert auch, wenn es sich um recyceltes Material handelt, wie etwa Material aus PET-Flaschen. Im Grunde genommen hat jeder Rohstoff seine eigenen Schwierigkeiten. Mehr zu den verschiedenen Rohstoffen findet ihr in diesem tollen Artikel von den Fashion Changers.

Unwürdige Bedingungen in den Fabriken

Kommen wir nun zur Herstellung: Die riesigen Fabriken, wie etwa Rana Plaza eine war, sind ausbeuterische Anlagen. Menschen – vorrangig Frauen – nähen für einen Hungerlohn im Akkord. Die Arbeitsbedingungen sind oft unter allem, was wir uns vorstellen können. Hier findet ihr eine Fünf Minuten Doku der New York Times. Die Bilder sind teilweise kaum auszuhalten. Es geht darum, möglichst billig Kleidung herzustellen, koste es Leben, koste es Natur. Eine der hässlichsten Fratzen des Kapitalismus. Seien es die Näher*innen, die im Akkord nähen müssen, ohne Pausen, ohne so etwas wie Mutterschutz oder gar Elternzeit oder seien es die Menschen, die mit den giftigen Farben in Berührung kommen, ohne Schutzkleidung oder andere Vorkehrungen. Auch heute noch werden viele der giftigen Substanzen übrigens direkt in die Flüsse geleitet und können unbehelligt Richtung Weltmeere weiterziehen.

Wer sind die Menschen, die hinter unserer Kleidung stecken? Oft erfährt man maximal die Designer*innen.

Kurzlebigkeit

Und für was? Damit irgendwelche Insta-Sternchen auf jedem Bild ein anderes Outfit tragen konnten? Wir können uns jederzeit neu erfinden, neue Styles ausprobieren und all das – und nehmen dabei in Kauf, was am anderen Ende der Erde passiert. Das ist das Vertrackte: Man sieht es der Mode nie an, wie viel Blut an ihr klebt. Ich erinnere mich an die „Feminism“-Kampagne von H&M, wo Kund*innen sich mit Feminismus-Merchandise ab 2,99 Euro eindecken konnten. Viel antifeministischer geht’s nicht. Den Preis für diese billigen Kleidungsstücke zahlen Frauen in Bangladesh und Co. Leider werden Kleidungsstücke immer kürzer getragen, viel zu schnell sind sie uns über, viel zu viele neue Kaufreize locken uns in der schillernden Werbewelt. Buy one, get another free. Schlussverkauf, die neue Super-Kollektion mit Star XY. Irgendeinen Grund zu kaufen gibt es immer.

Start a Fashion Revolution

Die Fashion Revolution muss lauter und stärker werden! Seit 2014 arbeiten tolle Initiativen wie die Fashion Revolution daran, Bedingungen zu verbessern und Wissen zu schaffen. Helft mit, dieses Wissen herauszutragen. Es soll jede*r wissen! Dabei soll es übrigens ganz klar nicht darum gehen, Menschen zu shamen, die sich etwa keine tollen Fair Fashion Outfits leisten können, das ist ganz wichtig. Nicht für jede*n steht diese Tür offen und sie kann auch nicht der alleinige Schlüssel zum Erfolg sein. Wer das leisten kann, neue Teile nur fair zu kaufen: super. Am nachhaltigsten sind am Ende aber übrigens immer die Kleidungsstücke, die man gar nicht (oder zumindest Second Hand) gekauft hat.

Weiterführendes

Die tollste, deutschsprachige Seite zu dem Thema ist die von den Fashion Changers, finde ich. Da lohnt es sich, ungefähr jeden Artikel zu lesen. Nix wie hin da!

Bei der Fashion Revolution gibt es ebenfalls tolles, weiterführendes Material – das ist allerdings auf Englisch.

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