Eco Fashion in Berlin

12 Jahre ist es her, dass Naomi Klein  „No Logo“ veröffentlichte und damit große Aufmerksamkeit auf die Produktionsbedingungen von globalisierten Marken legte. Hinter uns liegen 12 Jahre voller Empörung über Sweat Shops, eine Million verkaufte „No Logo“-Exemplare, diverse Initiativen und Code of Conducts seitens der Industrie, Aufklärungskampagnen von NGOs, weitere globalisierungskritische Bücher, sogar eine ganze Occupy Bewegung…  Und dann gehen dieses Jahr wieder traurige Bilder von Bränden in Textilfabriken in Pakistan und Bangladesch um die Welt. Und werfen Fragen auf.  Hat sich in den letzten Jahren etwas verbessert? Kann sich überhaupt etwas verbessern? Die Medien greifen das Thema auf, aber so richtig beantworten mag das keiner. Bei Jauch diskutieren CDU/Attac-Mann Heiner Geißler mit heimischen Textilproduzenten über unsere Konsumfolgen, bei ZDFLogin Journalisten Kathrin Hartmann und Thomas Tanklay über die Frage „Sind Schnäppchen asozial“. Die Sonntagsausgaben der Tageszeitungen sind voll von mehrseitigen Specials über die Textilindustrie und der Spiegel lässt in Bangladesch wohnende Lehrer und den EU-Handelskommissar zu dem Thema zu Wort kommen

Dass die Arbeitsbedingungen und Umweltschutzbestimmungen in vielen asiatischen Fabriken unterirdisch sind, darüber sind sich irgendwie alle einig.  Aber wer kann denn nun was ändern? Verbraucher, Politik, Unternehmen? Nur die regionalen Politiker oder auch „unsere“?  Jeder zieht aus den objektiven Fakten seine subjektiven Konsequenzen. Da sind zum Beispiel Menschen, die der Überzeugung sind Bangladesch brauche die Kohle und der Staus Quo ist immerhin besser, als wenn H&M & Co ihre Aufträge da abziehen würden. Irgendwie bitter, aber auch nicht ganz unberechtigt.  Dann sind da die strikten Konsumverweigerer, die jeglichen Konsum – auch den „grünen Konsum“  – eh komplett unnötig  finden und in diesem Zusammenhang nicht über die Ausgestaltung der Güterproduktion, sondern über die Systemfrage sprechen wollen. Puh. ja. Systemfrage. Sollten wir dringend stellen. Und auch beantworten. Ich geh mal nochmal VWL studieren und denke mir dann ein humaniststisches, ressourcenschonendes, umweltfreundliches, freiheitliches und weltweit gerechtes Wirtschaftssystem aus. So schwer kann das ja nicht sein. Aber im Ernst: solange gute Arbeitsbedingungen in Pakistan und co so weit weg sind wie die Beantwortung der Systemfrage, sehe ich mich parallel nach Alternativen um.

Und da finde ich etwas, das sich seit dem Erscheinen von Naomi Kleins „No Logo“ vor 12 Jahren definitv verändert hat: Es gibt mehr Alternativen.  In Berlin gibt es sogar mehrere Shops, die sich an stylischer Mode außerhalb von „Sweat-Shops und Farbe in den Fluss kippen“ versuchen. Hier eine Auswahl:

Wertvoll-Berlin

Wertvoll ist ein kleiner Shop im Prenzlauer Berg. Das Sortiment ist unaufgeregt, hochwertig, ein bisschen skandinavisch vielleicht. Hier gibt es Blümchen-Blusen von people Tree, feste Jeans von Nudie und Strick von caro e. Latte-Macciato-Väter können sich mit  Knowledge Cotton Apparell für den nächsten Hüttenurlaub einkleiden. Einen Online Shop gibt es übrigens auch.

Fair Queen

Die Damen von Fair Queen haben vor Kurzem ihren Onlineshop in die Offline-Welt gebracht und in Berlin Mitte einen Store eröffnet. Bürotaugliche grüne Mode von Labels wie Komodo oder Beyond Skin. Hier findet ihr mehr Fotos vom Shop.

 

Ica Watermelon

ICA Watermelon ist ein junge Modelabel, das seit Kurzem einen Store in Berlin Mitte hat. Die fast elfenhaften Kollektionen werden aus zertifizierten Stoffen lokal in Berlin produziert. Mehr Infos findet ihr hier.  

Upcycling
 

Der Name ist Programm. In dem Shop in Berlin Mitte gibt es nur Kleidung, die mal was anderes war. Alte Industrie-Klamotten, Stoffreste oder Druckerbänder bekommen ein neues Leben geschenkt. Das sieht abgefahren aus und spart Ressourcen. Besonders gefällt mir das finnische label Globe Hope.

Umasan

Umasan macht vegane, bequeme Mode. Die Farbpalette bewegt sich zwischen schwarz und schwarz, okay, ein paar Erdtöne und sogar flieder sind auch dabei. In Umasan wurden schon Promis wie Erykah Badu oder Gentleman gesichtet, aber davon lassen sich abgeklärte Menschen wie wir natürlich nicht beeindrucken. Wo ihr Umasan shoppen könnt, erfahrt ihr hier. 

Die Shops sind teurer als Zara und Co, das stimmt. Aber auch nicht teurer als ihre Nachbarshops auf der Neuen Schönhauser. Also immer dran denken: Buy good, buy less.

 

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Comments

2 Responses to “Eco Fashion in Berlin”
  1. Stay with this guys, you’re helping a lot of people.

  2. Florian sagt:

    Stark. Gefällt mir richtig gut. Typisch Berlin, etwas anders und immer einen Schritt voraus. Keep going.

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