Lieblingsort: Glore Hamburg

Ich bin relativ häufig in Hamburg, es zieht mich da sowohl beruflich als auch privat immer wieder hin. Kaum ein Besuch vergeht, ohne dass ich im Glore Hamburg reinschaue. Dort gibt es faire Mode in ziemlich guter Auswahl.

So habe ich mich im Zuge meines letzten Hamburg-Besuches mit der Inhaberin Wiebke verabredet und ein paar schöne Stunden mit ihr im Laden verbracht. Wiebke hat Modejournalismus und Medienkommunikation studiert und dann in einer Grafik-Agentur gearbeitet. Vor einigen Jahren hat sie dann mit einem Freund das Label Fairliebt gegründet, da gab es sogar schon mal einen Artikel auf Green Friday drüber. Das Thema nachhaltige Mode begleitet sie also schon einige Jahre. Dann hat ihr Dealer für grüne Mode, das FEIN auf der Hamburger Marktstraße geschlossen und sie hatte die Idee, selbst einen Laden aufzumachen. Gedacht, getan: 2010 hat sie in der Glashüttenstraße Glore Hamburg eröffnet. 2013 hat es sich ergeben, dass ein Ladengeschäft auf der Marktstraße frei war und sie ist dorthin umgezogen. Die drei Glashüttenstraßen-Jahre bezeichnet Wiebke als ihre Lehrjahre, sie hat viel gelernt und einiges an Lehrgeld gezahlt. Mit einem Sack voll Erfahrung und mehr Professionalität betreibt sie nun ihren neuen Laden. Dort gibt es mehr Platz, mehr Laufkundschaft und mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Glore steht übrigens für „Global Responsibility“.

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Wiebke, was ist die größte Herausforderung daran, einen eigenen Laden zu führen?
Alles unter einen Hut zu kriegen. Es muss immer genug Ware da sein, aber natürlich auch nicht zu viel. Das Sortiment muss sich stetig wechseln, aber bestimmte Basics müssen immer vorhanden sein. Außerdem gibt es Marketing und Pressearbeit, um die man sich kümmern muss und das Personal, das es einzuteilen und zu führen gilt. Ach, und ein Privatleben habe ich ja eigentlich auch noch. (lacht)

Wenn wir mal in deinen Kleiderschrank schauen dürften, was würden wir da finden?
Das meiste ist aus meinem eigenen Laden. Manchmal bestelle ich aber auch bei HessNatur oder gehe in den Second Hand Laden.

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Wie würdest du deine Kundschaft beschreiben?
Es ist relativ durchmischt, aber prinzipiell würde ich sagen dass mehr Frauen als Männer den Weg in den Laden finden. Wir haben viele Touristen hier, aber auch Anwohner. Was mir gefällt ist, dass viele nicht einmal wahrnehmen, dass wir faire Mode anbieten. Die kommen, weil ihnen gefällt, was sie im Schaufenster sehen. Perfekt.

Gibt es eine gesellschaftliche Entwicklung, die dir so richtig auf die Nerven geht?
Ignoranz. Ich habe das Gefühl, dass das immer mehr wird. Wie viele Menschen nicht mal mehr in der Lage scheinen, die Worte „Hallo“ oder „Danke“ zu sagen. Ich bin auch nicht immer ein Sonnenschein, aber ein Mindestmaß an Freundlichkeit tut doch niemandem weh – im Gegenteil.

Und gibt es auch eine, die dich freut?
Das Thema Nachhaltigkeit hat in immer mehr Köpfen und Herzen Platz. Menschen scheinen mehr über ihre Konsumentscheidungen nachzudenken. Da geht noch viel mehr, aber diese Entwicklung finde ich super.

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Welche Lebensbereiche gestaltest du besonders nachhaltig?
Ich versuche, überall mein bestes zu geben. Am strengsten bin ich bei Klamotten, dann kommen Kosmetik und Lebensmittel. Ich fahre aber zum Beispiel durchaus öfter Auto, und das sogar gerne. Ich bin nicht perfekt 🙂

Hast du wegen irgendwas ein schlechtes Gewissen?
Ich esse viel Schokolade. Ansonsten bin ich ein unglaublich reiner Typ.

Um deiner Gesundheit nicht zu viel Gutes zu tun…
… mache ich keinen Sport.

Was ist das größte Kompliment, das du je für deine Arbeit bekommen hast?
Es ist immer schön, wenn Kunden Komplimente für die Auswahl und den Laden machen. Letztens war eine Frau mit breitem Kölner Akzent im Laden, stundenlang. Sie hat viele Teile so richtig abgefeiert und uns auch. Sie war richtig selig, und wir am Ende auch.

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Was ist dein aktuelles Lieblingslabel?
Ich stehe derzeit total auf alles von LANIUS. Nudie feier ich sowieo immer. Und K.O.I. hat sich richtig toll gemacht in letzter Zeit, da sehe ich die größte Entwicklung.

Hast du Pläne für die Zukunft?
Ganz viele, aber ich spinne einfach gerne und viel rum. Es ist nichts konkret, ich bin ganz happy damit, wie es ist!

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Glore Hamburg
Marktstr. 31, 20357 Hamburg

Mo – FR 11-19 Uhr, SA 11-18 Uhr

Noch eine Notiz zum Glore-Universum: Es gibt neben dem Laden in Hamburg auch noch Glores in Nürnberg, Stuttgart, Luzern, München und Augsburg. Außerdem einen Online-Shop. Das sind aber alles selbstständige Läden. Die Inhaberinnen und Inhaber sind miteinander vernetzt und können sich mit Expertise und Ideen helfen.

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Comments

4 Responses to “Lieblingsort: Glore Hamburg”
  1. Eine tolle Geschichte! Glore in Hamburg ist wirklich ein gutes Beispiel dafür, dass faire Mode einzukaufen inzwischen richtig Spaß macht und nichts mehr mit den Öko-Läden der 90er zu tun hat 🙂

  2. Kati sagt:

    Tolle Vorstellung und tolle Bilder!
    Das „glore“ auch in Augsburg (wir sind ja klein und haben sonst echt selten irgendwelche Läden, die sich in den Großstädten durchsetzen) eröffnet, hab ich schon mitbekommen und muss dringend mal vorbeischauen 🙂

    • Anna sagt:

      Hi Kati,
      ja, das würde ich auch gerne mal sehen. Ich muss gestehen, überhaupt noch nie in Augsburg gewesen zu sein… wenn du Lust hast mir zu erzählen, wie der GLORE in Augsburg so ist, freue ich mich 🙂
      Grüße
      Anna

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