Eine Konzertreview zur Weltverbesserung

Der Tag danach. Ich sitze ein wenig müde im Zug, zurück von Bonn nach Berlin. Denn auch wenn Patti Smith auch in Berlin spielt – Bonn und Patti haben eine gewisse Tradition für mich.
Patti Smith ist für mich eine der wichtigsten Künstlerinnen überhaupt. Als ich mich mit etwa 14 für Punkrock interessierte und ihn bis an seine Wurzeln zurückverfolgte stieß ich natürlich auch auf Patti. Seitdem ist sie meine Heldin.

Julia schrieb vor wenigen Tagen, warum sie die Fusion so liebt – ich glaube, da muss ich nächstes Jahr auch endlich mal hin. Konzerte von Patti Smith lege ich euch aber aus ganz anderen Gründen ans Herz. Weil sie so unfassbar berührend sind. Alle Machthaber und sonstige Arschlöcher sollten auf Patti Smith Konzerte gehen und ihr zuhören und zusehen. Sie sollten ihr Buch „Just Kids“ und ihre Gedichte lesen – und ihr in die Augen sehen, wenn sie auf der Bühne steht und Fragen stellt oder Antworten gibt. Sie hat eine Elektrizität, von der ich mir gar nicht vorstellen kann, dass sie jemanden kalt lässt.

Vor zwei Jahren bei dem Konzert musste ich weinen, und gestern hat sie mir eine Gänsehaut beschert, dass mir direkt schwindelig wurde. Als sie fragte, „what are you hungry for?“ und sie sagte, „we’re all hungry for clean, mean freedom. we’re hungry for family. we’re hungry for clean water…“
Als sie „People have the power“ sang durchzuckte mich, erneut, dieser unfassbare Revolutionswille. Die Klarheit, dass eben doch jeder noch so kleine Schritt ein richtiger und wichtiger ist. Dass wir nicht aufgeben dürfen, weil wir so wenige sind. Dass wir die Kinder der Welt beschützen müssen, dass wir die Natur respektieren und besser behandeln müssen. Zwischendurch steht sie dort, die 65-jährige Patti, und rotzt auf die Bühne, wie ich sonst nur Fußballer im Stadion rotzen sehe.
Klingt aber eigentlich eher pathetisch und 1.000-mal gehört, findest du, herzallerliebste/r Leser/in? Was macht es so besonders, wenn Patti diese Dinge sagt? Nun, so ganz genau kann ich das gar nicht beantworten. Weil ich ihr glaube, weil von ihr aus so eine Power ausgeht. Weil sie wütend ist, aber ihren Humor aber auch immer im Gepäck hat. Weil sie eine Künstlerin aus sehr einfachen Verhältnissen ist, die weiß, dass sie ohne das ein oder andere Quentchen Glück ganz wo anders stände. Weil sie, das merkt man, wenn man sich mit ihr mehr auseinander setzt, einen Blick für das Detail hat und Kleinigkeiten sehr zu schätzen weiß. Runtergebrochen kann man sagen: weil ich ihr glaube.

http://www.youtube.com/watch?v=VhrXCbmL8K0

Eine Frage habe ich nur, und ich werde sie ihr stellen (ich kenne jemanden, der jemanden kennt und so weiter): Warum fängst du selber nicht bei den einfachsten Punkten an? Warum verkaufst du Merchandise, das „Made in Bangladesh“ ist? Das fand ich enttäuschend und bin ohne neues Patti-Shirt im Gepäck auf dem Weg nach Berlin. Oh, und noch eine: Weißt du, dass H&M Shirts mit dir drauf verkauft, oder wer hat das abgesegnet? TIME IS NOW, Patti! You of all should know and live that!

Achja, und der Baum nach dem du gefragt hast ist glaube ich eine Rotbuche, auf Englisch copper beech.

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