Warum ich wieder Vegi bin und warum das gar nicht so schwer ist…

Meine Tochter fragte mich letztens beim Abendessen, warum ich so lange keine Fleischwurst (ihr Lieblings-Brotbelag) gekauft hätte. Ich antwortete ihr, dass das eben Fleisch ist (der Name der Wurst versucht ja nicht einmal, das zu vertuschen) und dafür Tiere ihre Leben lassen müssen und ich finde, dass weniger Tiere für unser Abendbrot ihr Leben lassen sollten. Sie guckte mich mit ihren großen, verständigen Augen an und sagte: „Ja aber Mama, das Schwein ist ja eh tot und guck mal wie klein die Fleischwurst ist, das Schwein ist ja nicht für uns gestorben.“ Ich habe ihr dann erklärt, dass wir aber eine Nachfrage generieren und wenn wir nie wieder Wurst kaufen, dann wird weniger Wurst im Supermarkt verfügbar sein und mehr Schweine leben. Das stimmt so natürlich nicht, aber es werden weniger Schweine gezüchtet, wenn wir weniger Fleisch essen. Natürlich nicht nur meine Tochter und ich, es braucht so viele Menschen wie möglich. Und sie ist ja dann doch erst fünf – ich denke diese etwas verkürzte Darstellung ist für den Moment okay. Und sie kann ja auch hier und da ihre Fleischwurst aus dem Bio-Laden haben. Nur nicht mehr immer. Word.

Aber  ich weiß, Fleisch kann so lecker sein. Ein nettes Zitronenhühnchen an Rosmarinkartoffeln, ein Stück Braten auf Selleriepürree oder auch einfach eine ordentliche Salami-Pizza machen schon was her. Da bin ich vielleicht manchmal ein bisschen wie ein glücklicher, trockener Alkoholiker – der schon noch manchmal an die Vorzüge des Saufens denkt. Aber ohne Gefahr des ernsthaften Rückfalls.

gemüsefattigauer_arno_schmidt

Love it: Gemüse! Und Bier ist ja zum Glück eh vegan….

Ich esse jetzt seit etwa einem halben Jahr kein Fleisch mehr. Ich kann es grade nicht, es ekelt mich richtig. Ich habe so viel darüber nachgedacht, lese immer mehr darüber und finde es einfach erschreckend was da alles hinter steckt. Was für eine große Industrie mit gigantischem Output, wie viel Leid und kranke Züchtungen. Hühner, die keine Eier mehr legen können, weil sie ja nur für ihre Brüste und Beine gezüchtet werden.
Da hat mir auch der Sommer geholfen, in dem ich sehr viel unterwegs war und auf den Autobahnen oft an Tiertransporten vorbei gekommen bin. Da könnte ich jedes mal weinen (nicht, dass das was bringen würde…). Nicht ganz unschuldig ebenfalls: Das Buch Tiere essen.
Es fällt mir trotzdem nicht immer leicht. In den meisten Restaurants gibt es primär Essen mit Fleisch, und dann oft noch ein liebloses vegetarisches und selten auch ein veganes Gericht. Und der Mensch ist einfach sehr gut im Verdrängen. „Ach, das kleine Stück Pute hier macht doch wohl keinen Unterschied.“… „Sonst wird es womöglich weg geworfen.“ …“Hm und ich hab jetzt eben einfach Lust drauf – muss ja auch nicht heiliger sein als der Papst.“ Diese und andere Ausreden sind mir schon oft eingefallen. Vor mir selbst. Aber damit ist jetzt Schluss – und wenn man sich einmal ganz klar definiert hat, ist es komischerweise auch leichter.

Also, geehrte Leserschaft: Ich will besser werden.
Einmal habe ich gesündigt im letzten halben Jahr. Das war im Weserstadion. Da war viel Bier und Fußball und Euphorie. Und ein Fischbrötchen. Matjes. Hmmm war das war lecker. Ich habe mich kurz schlecht gefühlt, aber das dann weg geschoben. Diese ekligen vegetarischen, pappartigen „Zungen“ die es da gibt, die kann ja kein Mensch ernsthaft essen sollen. Soll alles keine Ausrede sein – soll nur sagen, dass ich nicht katholischer sein brauche als der Papst. So habe ich in sechs Monaten ein Fischbrötchen zu verantworten. Das kann ich, irgendwie.

vegi_menu_markthallen_neunanna_vegetarisches_sommerfest

Vegetarischer Mittagstisch in der Kantine Neun und ich beim vegan-vegetarischen Sommerfest

Ein Vegi-Day die Woche reicht mir nicht, ich wäre eher für 1-2 Tage mit Fleisch im Jahr. Damit könnte die Welt viel besser in eine Art Gleichgewicht zurückfinden.

Ich bin soweit. Macht noch jemand mit? Zusammen ist doch immer schöner…

Mehr Input

Leave A Comment