Urbanes Gärtnern – wie und wo?

Ich bin in einem Haus mit Garten aufgewachsen und habe als Kind ständig in der Erde gebuddelt, gepflanzt, gesät und geerntet. Mit 18 bin ich dann ins große Berlin gezogen und hatte seitdem höchstens mal einen Balkon oder eine kleine, schattige Terrasse zur Verfügung. Mir geht das Gärtnern immer mehr ab – aber zum Glück gibt es allerlei Wege und Möglichkeiten, auch mitten in Berlin Gemüse anzupflanzen. Ich habe mich mal umgesehen und ein paar Ideen zusammengesucht:

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Allmende Kontor

Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof findet sich neben einer Reihe anderer toller Projekte auch ein Gartenprojekt. 2011 starteten hier 20 Personen mit 10 Hochbeeten, mittlerweile bewirtschaften knapp 500 Personen die in der Zwischenzeit entstandenen 250 Hochbeete. Neben dem säen und ernten geht es hier auch um nachbarschaftlichen Austausch und die Gemeinsamkeit. Wer Interesse hat, bei dem Projekt mitzuwirken, kommt am ersten Samstag des Monats zwischen 15 und 18 Uhr unter das Dach im Garten. Den Garten besuchen kann man immer, wenn das Flugfeld geöffnet hat. Zwischen den Beeten finden sich auch einige künstlerische Exponate und Spielereien, ein Besuch lohnt sich definitiv auch, wenn man keine gärtnerischen Ambitionen dort hat. Mehr Infos zum Allmende Kontor findet ihr hier.

Bauerngarten

Es gibt drei sogenannte Bauerngärten in Berlin. Am Standort Großziethen hatte ich vor zwei Jahren eine Beetfläche. Hier findet sich einer meiner Artikel dazu. Die Zeit dort habe ich extrem genossen. Manchmal war mir der Weg zu weit – so habe ich den ein oder anderen Erntezeitpunkt verpasst. Man muss etwa 1-3 Stunden wöchentlich für den Garten einplanen, zur Hochsaison vielleicht auch etwas mehr. Klasse ist, dass die Bewässerung hier automatisch funktioniert. Alles Saatgut ist bio-zertifiziert und die Bauern sind regelmäßig vor Ort, damit man sie mit aufkommenden Fragen löchern kann. Es sind noch ein paar Beete für 2016 zu haben. Wer sich dafür interessiert, schaut mal auf bauerngarten.net vorbei.

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Himmelbeet

Das Himmelbeet findet sich mitten in Wedding und vereint in der Gartenarbeit ökologische und soziale Aspekte. Leider sind die Anmeldungen für 2016 schon durch, aber an den Gartenarbeitstagen kann jeder, der Lust und Zeit hat, mitmachen. Dazu kommt man einfach Donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr oder Samstags zwischen 11 und 15 Uhr im Garten vorbei und schaut, was zu tun ist. Ganz spannend finde ich auch das integrierte Low-Waste-Café und die Bienenhaltung. Mehr Infos finden sich unter himmelbeet.de.

Mauergarten

Na, wer errät, wo sich der Mauergarten befindet? Richtig – im Mauerpark. Der interkulturelle Gemeinschaftsgarten verfügt über ca. 100 Hochbeete. Ein Teil davon sind „private Beete“, die fest von Personen gepachtet sind. Ein anderer Teil funktioniert als Gemeinschaftsbeet. Alle, die Beetpaten sind, sollen mindestens (!) 15 Stunden, bzw. zwei Tage im Jahr mithelfen – bestenfalls mehr. Neben dem zweimal monatlich stattfindendem Plenum (bei dem man keine Teilnahmepflicht hat) gibt es auch ein Reparatur-Café und eine solidarische Imkerei. Klingt toll! Mehr Infos auf mauergarten.net.

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Meine Ernte

Bei Meine Ernte werde ich dieses Jahr eine kleine Gartenfläche bewirtschaften. Ich bin mal gespannt, wie die Unterschiede zum Bauerngarten sein werden – das Konzept ist recht ähnlich. Meine Ernte agiert bundesweit und hat mittlerweile eine ganze Menge Standorte in der ganzen BRD. Im Mai werde ich hier mein bereits bepflanztes Beet in Empfang nehmen und freue mich schon so arg auf die Radieschen, Kartoffeln, Schwarzwurzeln und Co. Neben der bereits bepflanzten Fläche ist aber auch noch Platz für eigene Wünsche. In regelmäßigen Abständen wird es Gärtnerbriefe und Gärtnersprechstunden geben. Wie gut – so ganz grün ist mein Daumen nämlich noch immer nicht. Bis auf in Düsseldorf scheint es an allen Standorten noch möglich zu sein, ein Beet zu buchen. Auf, auf! Hier geht es zur Website.

Prinzessinnengarten

Seit 2009 ist die Brachfläche am Moritzplatz kein Schandfleck mehr, sondern vielmehr ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Berliner und Touristen. Neben einer Menge Hochbeeten und Pflanzensäcken gibt es ein herrliches Café, in dem es von Frühling bis Herbst täglich ein Gartengericht und selbst gebackenen Kuchen gibt. Weitergehend gibt es einen Imker, einen Pflanzenverkauf, eine Fahrrad- und eine Recycling-Werkstatt. Hier finden Flohmärkte, Feste, Dinnerabende und andere Veranstaltungen statt. Was wäre Kreuzberg ohne die Prinzessinnengärten. Hier gibt es übrigens keine fest zu mietenden Beete, aber man kann sich zur Erntezeit nach Anleitung selbst Gemüse ernten und für wenig Geld erstehen. Auf der Website gibt es laufend Infos zu aktuellen Terminen.

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Na, ist da was für euch dabei? Ich fand es sooo schwer mich zu entscheiden. Schließlich habe ich mich für Meine Ernte entschieden, weil mir der Pflichtanteil gefällt: Hier macht keiner was für mich, wenn ich mal durchhänge, ich muss mich wirklich selber um meine Pflanzen kümmern. Außerdem habe ich, wenn ich mich nicht ganz dumm anstelle, auch wirklich ordentlich Ertrag. Ich weiß noch, wie ich vor zwei Jahren im Bauerngarten irgendwann kaum mehr mit dem Mangold-ernten hinterher kam. Warum ich nicht wieder den Bauerngarten gewählt habe? Einfach, um Meine Ernte auch mal auszuprobieren.

Wer es gerne mehr in Richtung Kleingarten angehen möchte (dazu hat mein Onkel Berthold mal ein paar tolle Artikel für Green Friday geschrieben, seht hier), schaut am besten mal bei den Gartenfreunden Berlin vorbei. Da steht alles, das man zu dem Thema wissen und beachten sollte.

Ach, wenn doch bloß schon Mai wäre! <3

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