Eco Fashion Week – Stil und Vorurteile

Am Freitag habe ich meine Akkreditierungen und meinen guten Freund und Mode-Experten Lucas eingepackt und mich auf zur Berlin Fashion Week gemacht. Lucas versicherte mir vorab viele Vorurteile gegenüber grüner Mode zu haben, und wo kann man die besser pflegen oder widerlegen als auf einer geballten Packung Modemesse?

Unser erster Stop  ist die Ethical Fashion Show im E-Werk. Rund 30 Aussteller zeigen ihre Kollektionen, Getränke kommen von unseren Lieblingen Coffee Circle und LemonAid, Infowände erklären diverse Mode-Siegel und einen Shop gabs auch noch. Kurz: perfekte Vorraussetzungen für das Schwelgen im Ecofashionzirkus. Doch was die Mode angeht müssen wir beide schnell zugeben, dass hier eher Vorurteile gepflegt werden können. Futuristisch-asymetrische Wickel-Schnitte meets lila-türkise Goa-Farben, kurz: für unseren Geschmack teilweise ein bisschen zu 90er inspiriert. Und damit meine ich nicht den Grunge-Part.

Doch es gibt auch einige Highlights, eins davon ist Daniel Kroh Reclothings, ein Designer der gebrauchte Arbeitskleidung in Berlin zu neuen Stücken verarbeitet. Feste Stoffe for hard working Handwerker, jedes Teil glänzt mit anderen kleinen Schlissen und Gebrauchsspuren. Etwas für Herren, denen die T-Shirt-und-Jeans-Fraktion optisch zu langweilig ist.

Auch sehr gut gefallen hat mir Trigema. Genau, die Marke mit der glamourösen Werbung, in der ein Schimpanse die Nachrichten vorliest. Trigema hat eine Cradle-to-Cradle Kollektion namens Change am Start, die komplett kompostierbar ist. Auch die Schnitte sehen nach Großstadtpublikum aus, made in Germany, inspired by  young American Apparel würd ich mal sagen. Besonders lege ich euch den weit geschnittenen Kurzpullover ans Herz.

Last but not least: Komodo und Studio Jux haben ein paar schöne Teile mitgebracht, die ihr demnächst im Eco Fashion Store eures Vertrauens anschauen solltet.

Nach der Ethical Fashion Show ziehen wir weiter in den GreenShowroom. Hier bieten sich definitiv mehr Argumente für Ökomode, das muss auch meine Begleitung Lucas  zugeben. Zwei Flure lang dürfen wir in die Zimmer eintreten und uns an Fairtrade Silber, chromefreiem Leder und Organic Cotton in stilsicherer Verarbeitung erfreuen. Allerdings natürlich auch in einer höheren Preisklasse.

Sehr gefallen hat mir z.B. ein Label aus der Schweiz, das aber weder Onlineshop und noch Offline-Shop in Deutschland hat. Mmmm. Liebe Händler, ich hoffe ihr habt fleißig in Bosnien gefertigte und anmutig ausschauende Atelier Laure Paschourd-Mode geordert.

Auch schön: Schmidt takahaschi. Die beiden Macherinnen betreiben 1A Upcycling. Ihre Linie „Unikate“ besteht aus, genau, Unikaten, ein einzelnes Kleidungsstück aus alten Stoffen, das daher immer nur in einer Größe vorhanden ist. Aus der Reihe „Unikate“ werden Stücke ausgesucht, nach denen Duplikate produziert werden. Auch die Duplikate haben mindestens ein Recycling-Teil.

Wer kein Problem mit Leder hat sollte mal bei the Rooters oder Alinaschuerfeld vorbei schauen, die ohne Chrome gerben. Ich selber bin da ja noch unentschlossen. Ich möchte mir kein Schadstoffplastik aus fossilen Rohstoffen unter die Füße schnallen, aber auch die ganze Massentierhaltungsindustrie nicht supporten. Hinweise aus diesem Dilemma gerne an mich. Aber abgesehen von meinen Gewissensdialogen: die Schuhe von Alina Schürfeld sehen richtig geil nach „Lady who runs the world“ aus. Egoboost Schuhwerk. Und diesen Spirit braucht man ja manchmal als Motivation, für alle Aufgaben und Herausforderungen, die einem im Leben so unterkommen.

Unser letzter Stopp war die Modemesse Premium. Hier traf sich alles. Daunenjacken mit Taillengürtel, Röhrenjeans, Ankerschmuck. Die Eco Labels waren nicht gekennzeichnet, aber ein paar haben wir gefunden. Die englischen Blumenkinder von People Tree zum Beispiel oder das französische Label Les Racines du Ciel, das sich richtig gut anfühlende Pullover dabei hatte.

 

Auch die grüne Streetwear Marke armedangels hat ihre neue Kollektion gezeigt  und sie zum Glück mal nicht mit einem pelztragendem TV Sternchen beworben. Freshe Motive, bereits umgekrempelte T-Shirt Ärmel, das könnte eine gute Saison für die Pioniere aus Köln werden.

Fazit: Schön dass so viele Eco Labels unterwegs sind. Auf eigenen Messen und den „normalen“. Von der Attitude, die die Klamotten ausstrahlen, gibt es unten der Marken ziemliche Unterschiede. Auch Slow Fashion braucht  Zeitgeist oder wenigstens Zeitlosigkeit. Nicht nur das Gewissen, auch das Auge kauft schließlich mit. Auch bei Menschen mit Verantwortungsbewusstsein. Dass einige Ökolabels da extrem weit vorne sind, davon konnte der Modemesse Ausflug auch Lucas überzeugen. Lucas, ich hoffe dich an dieser Stelle bald mit Gastartikel über stylische Ökoherrenmode begrüßen zu dürfen.

 

Linktipps:

Daniel Kroh
Trigema Change
Komodo
Studio Jux
Atelier Laure Paschourd
Schmidttakahashi
the rooters
Alinaschuerfeld
People Tree
Les Racines du Ciel
armedangels

 

 

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