Warum Stadttauben unsere Hilfe brauchen

–> Bianca hat letzte Woche eine herzzerreißende Geschichte über die Rettung einer Taube auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Für Green Friday hat sie die Geschichte noch einmal ganz ausführlich dargestellt und mit Infos über Tauben im allgemeinen angereichert. Danke dafür <3

Darf ich vorstellen: Tilda, mein kleines Findelkind. Als ich letztes von der U-Bahn nach Hause lief, saß die Kleine (ich behaupte einfach mal, dass sie ein Weibchen ist, wissen tue ich es bis heute nicht) zwischen ein paar Fahrrädern neben dem Treppenaufgang zur U2. Da ich mich schon seit einer Weile für den Taubenschutz interessiere, wusste ich, dass es nie ein gutes Zeichen ist, wenn sich eine Taube nicht wegbewegt, wenn man als Mensch auf sie zugeht. Aufgrund ihres Flaums sah ich ihr außerdem an, dass sie noch recht jung war. Hier muss ich helfen, dachte ich.

Ich rief meinen Mann Markus an, der glücklicherweise Zuhause war. Er brachte ein Handtuch und einen Karton mit, damit wir Klein-Tilda einfangen und nach Hause transportieren konnten. Gleichzeitig telefonierte ich mit Andrea vom Berliner Stadttauben e.V. und fragte um Rat. Die hilflose Taube mitzunehmen war auf jeden Fall erstmal die richtige Entscheidung. Junge und verletzte Tiere, die nicht richtig fliegen können, sollte man laut Andrea immer sichern, da sie auf dem Boden nicht lange überleben würden. Das Einfangen war nicht sonderlich schwer, da Tilda noch nicht fliegen konnte. Ich warf das Handtuch möglichst behutsam über sie und schnappte sie mir. Zugegeben, ein paar Berührungsängste hatte ich anfangs schon, schließlich hatte ich auch noch nie eine Taube in der Hand und wollte sie nicht verletzen, aber hier ging es ja um ihr Leben.

Zuhause angekommen, setzten wir Tilda erstmal vom Karton in eine unserer Katzenboxen, über die wir in diesem Moment sehr froh waren. Tilda war ganz brav und zart, fiepte nur ein bisschen vor lauter Aufregung. Wir stellten Weizenkörner, die ich auf dem Heimweg noch bei Alnatura besorgt hatte, und Wasser dazu. Weil wir neugierig waren wie unsere beiden Kater auf die neue Mitbewohnerin reagieren würden, ließen wir sie an die Box heran und siehe da, sie waren zwar sehr neugierig, aber auch sehr vorsichtig und fast schon zurückhaltend. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die beiden am Rad drehen würden, wenn wir ihnen eine Taube mit nach Hause bringen.

Bis zum Abend stellten wir Tilda auf unseren Balkon, damit sie ihre Ruhe hatte. Über Nacht holten wir sie aber wieder herein, da es jetzt, Anfang September, Nachts schon ganz schön frisch ist. Wahrscheinlich hätte sie das als Taube wenig gestört, doch ich konnte nicht mit dem Gedanken leben, dass sie am nächsten Morgen womöglich erfroren in der Box gelegen hätte. Glücklicherweise hat Tilda die Nacht bei uns gut überstanden, am nächsten Tag haben wir sie dann Andrea von den Berliner Stadttauben übergeben. Gern hätten wir uns noch länger selbst um sie gekümmert, da Pflegestellen ohnehin sehr rar sind. Jedoch stand unser langersehnter Urlaub bevor. Andrea schätzte, dass Tilda erst drei Wochen alt war. So richtig selbstständig werden Tauben erst mit circa sieben Wochen, erklärte sie uns. Noch wissen wir nicht, wie es Tilda geht oder wohin sie gekommen ist, aber ich gehe mal davon aus, dass sie gut versorgt wird.

Leider habe ich bislang nur wenige Menschen getroffen, die gut auf Tauben zu sprechen sind. „Ratten der Lüfte“ höre ich sie dauernd sagen, dabei handelt es sich schlichtweg um ein Vorurteil. Unsere Stadttauben sind verwilderte Haustiere, für die das Leben in der Stadt oft purer Stress ist. Zudem ist es schon lange erwiesen, dass Mensch und Taube biologisch so unterschiedlich sind, dass Krankheiten so gut wie nicht übertragen werden können. Reine Panik- und Geldmache der Schädlingsbekämpfungs-Industrie, worüber auch der Spiegel vor kurzem berichtete. Oder habt ihr schon mal von einem Menschen gehört, der von einer Taube krank geworden ist? Eben. Zumal uns die Tierchen ja ohnehin meist aus dem Weg gehen.

Man muss Tauben auch nicht mögen oder sich aktiv um sie kümmern, völlig okay. Aber hassen oder sie gar töten muss man sie auch nicht. Vielmehr sollte man sich fragen, wie man das „Taubenproblem“ in einer Stadt wie Berlin tierschutzrechtlich lösen kann.


Foto von Daniel Ruyter.

Vorrichtungen, wie zum Beispiel Spikes oder Netze, mit denen die Tauben vom Nisten abgehalten werden sollen, erweisen sich häufig als wirkungslos oder sogar kontraproduktiv. Diese werden teilweise sogar als Nisthilfe von den Tauben genutzt, wobei sich Jungtauben gerade durch die Spikes schwere Spießverletzungen zuziehen können. Außerdem sorgen diese Maßnahmen meist nur dafür, dass die Tiere auf die umliegenden Gebäude übersiedeln.

Was kann man nun also stattdessen tun? Betreute Taubenschläge sind eine Lösung. In einem solchen Taubenschlag erhalten die Tiere täglich artgerechtes Futter und frisches Wasser. Mit Nistmaterial werden sie dazu animiert, ihre Brutplätze einzurichten. Die echten Eier werden gegen Imitate ausgetauscht und der Teufelskreis der Vermehrung von neuen Straßentieren unterbrochen. Der Großteil der Verunreinigung im Außenbereich bleibt zudem im Schlag und kann gesammelt entsorgt werden. Klingt ziemlich gut und einleuchtend, oder? Finde ich auch. Leider gibt es von solchen betreuten Taubenschlägen jedoch viel zu wenige hier in Berlin. Städte, wie zum Beispiel Würzburg oder Augsburg gehen hier mit besserem Beispiel voran. Der Berliner Stadttauben e. V. oder auch die AG Berliner Stadttauben haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, auf dieses Thema aufmerksam zu machen und die Bezirke bzw. den Senat von solchen funktionierenden Taubenschlägen zu überzeugen.


Foto von Daniel Rodrigues Machado.

Auch ich würde mir von Herzen wünschen, dass sich die Situation für die Stadttauben endlich verbessert und dass der Hass gegen diese unschuldigen Tiere (die ja eigentlich für Frieden stehen) aufhört. Die Tauben können letztendlich nichts dafür, denn wie so oft, ist es auch in diesem Falle der Mensch, der für die Lebensbedingungen und den häufig schlechten Zustand der Tiere verantwortlich ist.

Falls auch ihr aktiv mithelfen wollt, die Situation und das Image der Berliner Stadttauben zu verbessern oder ihr eine pflegebedürftige Taube bei euch aufnehmen wollt, dann könnt ihr euch zum Beispiel auf folgenden Seiten entsprechend informieren:

Das Berliner Tierheim oder der nächstgelegene Tierarzt helfen ebenfalls weiter, wenn ihr mal eine verletzte oder in Not geratene Taube finden solltet.

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2 Responses to “Warum Stadttauben unsere Hilfe brauchen”
  1. Miss Achtung says:

    Awww, ich mag Tauben sehr gerne. Außer wenn sie zu nah an mich ranfliegen. Wir hatten auch erst letztens eine Taube in unserem Hof, die sich recht komisch verhalten hat… Vermutlich aber nur aufgrund der hohen Temperaturen. Ich weiß gar nicht ob es so eine “Taubenstation” in Wien gibt. Fänd’ ich gar nicht so schlecht, ich weiß oft gar nicht was ich tun kann. 🙁

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